Arne Dahl: Der elfte Gast
A-Gruppe, Band 11

verfasst am 05.09.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Dahl, Arne, Kriminalromane

Erinnerungen an gute alte englische Krimis kommen auf: die zehn Mitglieder der früheren A-Gruppe finden einen Brief im Postkasten. Es ist die Einladung zu einem privaten Treffen, das schon lange vereinbart war. Der Ort ist ein altes Herrenhaus mit allem, was man von so einem alten Gemäuer erwartet: Türklopfer aus Messing, blinde Türen, viele Zimmer, ein Speisesaal. Alle sind davon überzeugt, dass eine/r von ihnen hinter der Einladung steckt und sich nur nicht zu erkennen geben will.

Sie reisen gemeinsam an und betreten gemeinsam das verlassenen Gebäude. Geschriebene Hinweise und Andeutungen, die sich überall finden, weisen sie ein. Doch, wie es der Titel des Buches schon verrät: es gibt einen, noch verborgenen elften Gast und der ist, das lässt sich wohl behaupten, der Initiator dieser Zusammenkunft.

Bis hierhin ist es wie eine Mischung aus Agatha Christie und dem großartigen Film „Eine Leiche zum Dessert“.

Vorerst ungewohnt lang…atmig beginnt Arne Dahl seinen Roman mit Kapiteln über die einzelnen Mitglieder des Teams. Nach einem ersten Kapitel, das noch erwartungsgemäß außergewöhnliche Spannung verspricht, folgen einige weitere, die dieses Versprechen leider gar nicht erfüllen. Zudem hatte ich nicht die leiseste Idee wohin sich die Geschichte entwickeln könnte/sollte/würde.

Erst ab dem Moment, als endlich alle im Minibus sitzen und die Fahrt zu jenem Herrenhaus beginnt, kommt Tempo ins Geschehen und dann auch noch außerordentliche Freude ins Lesen.

Denn was nun folgt, hat mich wirklich begeistert: zusammengekommen im Speisesaal erzählen die 10 Mitglieder der Gruppe, schön der Reihe nach, jeweils eine Geschichte – so hatten sie es schon vor langer Zeit vereinbart. Das Ergebnis ist eine Sammlung von 10 Kurzgeschichten, eine origineller und phantasievoller und überraschender als die andere. Keine davon hat direkt etwas mit der A-Gruppe zu tun, sie sind alle völlig eigenständig.

So etwas bekommt man ansonsten nicht in der besten Anthologie zu lesen, diese Geschichten zählen allesamt zu den besten, die ich bislang gelesen habe! Bei einigen davon verlor ich regelrecht den Kontakt zur Zeit, so sehr zogen sie mich in ihren Bann. Großartig!

Mir scheint, als hätte Arne Dahl diese Schätze in der Schublade gelagert und nur noch nach dem geeigneten Rahmen gesucht, um sie zu publizieren. Es dann in dieser Form zu machen ist ein Einfall, den ich ausnehmend gut und dafür passend finde. So bekommen diese so unterschiedlichen Storys ein gemeinsames Dach und die Summe daraus auch noch eine spannende Komponente oben drauf.

Es werden also Geschichten erzählt und in den Pausen dazwischen kommt immer mehr Unsicherheit auf, wer den nun wirklich für diese bestens organisierte und gelungene Zusammenkunft verantwortlich sei. Doch erst nachdem zehn Geschichten erzählt sind, wird es Zeit für den Auftritt des elften Gastes und für seine Geschichte; die Lösung des Rätsels ist durchaus bemerkenswert …

Kein A-Gruppe-Thriller wie man vielleicht erwarten möchte, dafür ein mehr als gleichwertiger Ersatz. Und, danach sieht es jedenfalls aus, ein absolut würdiger Abschluss der Reihe.


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