Arne Dahl: Opferzahl

verfasst am 28.05.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Dahl, Arne, Kriminalromane

New-York, Madrid, London und nun Stockholm. Als eine Bombe den letzten Waggon eines U-Bahn Zuges der grünen Linie zerreißt deutet alles darauf hin, dass nun auch Schweden nicht vom internationalen Terror verschont bleibt .

Es ist mitten in der Nacht, als die Explosion 10 Menschen tötet und schon wenig später langt bei der Polizei ein Bekenneranruf der „Heiligen Ritter von Siffin“ ein. Die schwedische Polizei bietet alles auf, was ihr zur Verfügung steht, um die Täter zu finden.  Polizei, Staatspolizei und Geheimdienst werden eingeschaltet, die Hauptarbeit liegt aber beim A-Team (nicht  das Ä-Team – nur zur Klarstellung).

8 Mitglieder umfasst diese Einheit zur Bekämpfung von Verbrechen mit internationalem Charakter und steht unter der Leitung von Kerstin Holm, die gerade nach 6 Monaten Suspendierung ihren Dienst wieder angetreten hat.  Bald eröffnen sich zwei Spuren, die jedoch beide in unterschiedliche Richtungen führen.

Da ist einmal die recht eigenartige Verteilung der Passagiere im Waggon. Dort, wo die Opfer saßen hatten sich recht viele Personen versammelt, die Überlebenden der Explosion fanden sich ausnahmlos am entgegen gesetzten Ende und dazwischen keine Spur von irgendwelchen weiteren Passagieren. Was war der Grund dafür, warum hatten sich die Menschen nicht gleichmäßiger verteilt?

Und dann die Ritter von Siffin: ein Zitat aus einem Buch liefert dem A-Team die ersten Hinweise auf die Attentäter, doch dann kommen die Ermittler regelmäßig zu spät. Denn die Ritter von Siffin werden offenbar selbst systematisch ermordet.

Zwei Spuren, zwei ganz unterschiedliche Wege, auf die sich das A-Team begeben muss. Und dann ommt noch die Erkenntniss hinzu, dass Ihnen die Staatspolizei offensichtlich wichtige Informationen vorenthält.

Auf den ersten 80,90 Seiten stellt der Autor das A-Team vor. Das ist gut für alle, die noch nie einen Roman von Arne Dahl gelesen haben (da gehöre ich dazu), für alle, die schon länger dabei sind, wird es sich hier wahrscheinlich um die Zusammenfassung von Bekanntem handeln. Kaum hat man die Hauptdarsteller ein wenig kennen gelernt, geht es wirklich – und damit meine ich wirklich „wirklich“ – rasant und atemberaubend los.

Meistens in Zweierteams arbeiten sich die Ermittlerinnen Stück für Stück voran. Genauso wie es hier beschrieben ist, muss wohl Polizeiarbeit (in Schweden? überall?) sein, zumindest hatte ich den Eindruck absoluter Realität. Nicht nur A-Teamer werden lebendig, auch die Art und Weise, wie sie an die Probleme heran gehen, sie analysieren, Ansätze suchen, Lösungen finden lässt es erscheinen, wie das dramatisch aufbereitete Protokoll einer tatsächlichen Ermittlung.

Ich hatte jederzeit das Gefühl, dass es nur so und nicht anders ablaufen kann, da war nichts dabei, an dem man zweifeln könnte. Die Ermittlungsarbeit, die Rivalität der einzelnen Abteilungen, der Zugriff auf externe Quellen – als Leser ist man (und ich borge mir jetzt einfach den abgewandelten Slogan eines TV-Senders für die Beschreibung aus) immer und jederzeit  „Mitten drin und nicht nur dabei“. Das betrifft nicht nur die Handlung sondern gleichermaßen auch die Charakterisierung der Pesonen.

Es ist keine actionreiche Handlung. Sieht man einmal von den notwendigerweise grausamen Taten ab, steht die akribische Arbeit der Polizei im  Mittelpunkt. Ein Stein nach dem anderen wird umgedreht, Puzzleteile zusammen gefügt und immer mehr entsteht vom Gesamtbild.

Das ist umgemein spannend und beeindruckend real.Wenigstens fast bis zum Schluß. Denn auf den letzten Seiten wurde ich dann doch ein wenig von der dann recht abrupten Auflösung überrascht und fand mich dann auch noch in einem etwas konstruierten Showdown wieder. Das schadet der Freude über dieses Buch aber nur sehr wenig, es bleibt auf jeden Fall eine Empfehlung!


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