Walter Fanta: Puschnig: Eine Kärnten-Satire

verfasst am 23.01.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Fanta, Walter, Satire

Die Politik in Kärnten ist seit vielen Jahren ein praktisch unerschöpflicher Quell an Kuriositäten, Peinlichkeiten und ein paar weiteren Eigenschaften, die beim Namen zu nennen die Gefahr eines gerichtlichen Nachspieles in sich bergen (weshalb ich sie nicht nenne, sondern es die Leserin/den Leser ersuche, sich selbst etwas auszusuchen).

Anstatt sich also an einklagbare Fakten zu halten, kann man zwei unterschiedliche Dinge tun.

Variante 1 ist, einfach nur ein paar  Namen der Hautpdarsteller der Kärntner Provinzposse zu nennen und jede und jeder kann sich seinen Teil dazu vorstellen: Jörg Haider (vormals Landeshauptmann und Phaeton-Schnellfahrer, nun Landesheiliger), Stefan Petzer (immer auf der Suche nach einem sonnenstudiogebräunten Lebensmenschen/sonnenstudiogebräunt  immer auf der Suche nach einem Lebensmenschen), Gerhard Dörfler (das ist der Landehauptmann, der sich gerne mit einem Glas in der Hand in der Öffentlichkeit zeigt, ansonsten aber kaum erwähnenswert ist –  ausser vielleicht, dass gerichtlich festgestellt wurde, dass er’s nicht versteht), Uwe Scheuch (einer, der Englisch kann und dies mit dem Satz „Part Of The Game“ grandios beweist und für den, wie für alle anderen auch, sicherheitshalber die Unschuldsvermutung gilt) und top-aktuell: Josef Martinz (für den 6 Millionen EURO für ein paar ausgedruckte Seiten auch nur ein Klacks sind, er muss das ja nicht aus eigener Tasche zahlen).

Variante 2 ist, eine Satire darüber zu schreiben, so wie es Walter Fanta getan hat. Das ist auch recht ungefährlich, vor allem dann, wenn man die Namen aus Variante 1 nicht nennt, sondern sich die Lebensgeschichte des Herrn Puschnig einfallen lässt (und nein, der Namen bedarf es nicht, um zu wissen, wen Walter Fanta meint). Im Unklaren bleibt dabei, ob Puschnig und seine Geschichte nicht doch etwa Realität sind/waren.

Ausnahmweise nehme ich für die Kurzbeschreibung des Buch-Inhaltes die Verlagstext, weil man kaum besser beschreiben kann:

Puschnig, der prototypische Kärntner, dient sich aus Ortstafeltälern ins Landeshauptmannsbett hoch und verschwindet 1990 als Zeuge eines ominösen Geschehens am Ulrichsberg. Der junge David P. stößt 2008 auf seine Fährte, recherchiert, entdeckt Grausliches, gerät in die Mühlen von Puschnigs Rache und in die Landeskatastrophe des 10./11. Oktober 2008. Die als Thriller/ Melodram getarnte Kärnten-Satire als Mittel der Katastrophenbewältigung lässt das Land über die Landespotentaten und die eigene Verführbarkeit lachen. Doch Kärnten ist überall.

(Variante 3 wäre, so wie einst Stermann & Grissemann, ein paar der strammen Kärntner derart vorzuführen, dass man praktisch aus dem Land gejagt wird – das aber wollte sich Walter Fanta als Kärntner Bürger verständlicherweise nicht antun.)

Doch irrt man wenn man glaubt, dass es in Kärnten nur die Mitglieder der in die Jahre gekommenen Buberlpartie bei FPÖ, FPK, BZÖ sind, die für irritierende/skurrile  Schlagzeilen sorgen. Auch die Landesorganisationen von SPÖ und ÖVP lassen sich zum Thema Kleingeist und Machterhaltung schon seit Jahrzehnten nicht nachsagen, dass sie untätig wären (und hoffentlich habe ich jetzt keine der regionalen Gruppierungen vergessen, es täte mir leid..)

Wer also einen schrägen Blick auf das Kärntner Politbiotop werfen möchte, der/dem sei dieses kleine Büchlein ans Herz gelegt. Wenn man dazu noch regelmäßig die Nachrichten über Österreichs südlichstes Bundesland verfolgt, dann ist man rundum bestens unterhalten. Lei-Lei!

Zum Weiterlesen: Infos aus dem Land der Politpossen
(eine kleine Auswahl)


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