Alfred Komarek: Polt.

verfasst am 16.01.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Komarek, Alfred, Kriminalromane

Das ist er nun der Simon Polt: Gendamerie-Inspektor im (freiwilligen) Ruhestand, Gelegenheits-Aushilfskraft im Kaufhaus von Frau Habesam, immer noch Herrl von Kater Cernohorsky und am Wochenende der Wirt vom Kirchenwirt. Der alte  Gedamerieposten im Ort  ist auch verschwunden und dessen Arbeit im Wiesbachtal hat die Polizei übernommen.

Es könnte recht beschaulich bleiben in der Gegend rund um die Kellergasse. Aber ausgerechnet Polt findet auf einem abendlichen  Spaziergang gemeinsam mit seinem Freund Norbert Sailer, Polizist und Nebenerwerbs-Weinbauer von Beruf, in dessen Weingarten einen Toten. Gut gekleidet, ein gut aussehender Mann, aber eben tot.

Der Polizeiapparat rückt an, an der Spitze Bezirksinspektor Bastian Priml, sichert Spuren und Beweisstücke. Alles das, was die moderne Polizeiarbeit eben ausmacht. Priml fügt sich da perfekt in dieses „moderne“ Bild als der Ermittler, dem nichts daran gelegen ist, sich bei den Leuten beliebt zu machen, der einfach nur den Fall lösen möchte. Einer von der Sorte, bei der jeder Zeuge gleich das Gefühl bekommt selbst unter den Hautpverdächtigen zu sein.

Insgesamt eine Situation die bei Polt großes Unbehagen hervorruft. Er war, jetzt ist er das ja nicht mehr, ein Gendarm, der mit den Meschen reden konnte, dem sich die Menschen anvertrauten. Bei Priml aber mit seiner fordernden Art, da sperren sich alle, dem erzählt niemand etwas und auch Polt kann sich mit dem Bezirksinspektor nicht anfreunden.

Seinen Vorsatz, sich aus der ganzen Angelegenheit heraus zu halten, den kann Polt aber auch nicht lange befolgen. Er erfährt zu viel, er hört zu viel, er sieht zu viel. Er sieht vor allem die ersten Sprünge in einigen menschlichen Fassaden, die sich langsam bis zu den Fundamenten ausbreiten.

Es braucht nicht viele Sätze und schon ist man ins Wiesbachtal eingetaucht und hat die Menschen kennen gelernt. Als dann Polt auf seinem alten Fahrrad von einem dieser Menschen zur/zum  nächsten  fährt, kommen hinter der sanften Stimmung und der einfühlsamen Sprache langsam, ganz langsam einige dunkle Flecken hervor.

Es ist kaum anders möglich, als das Buch im einem Zug fertig zu lesen. Nicht wegen der unerträglichen Spannung, denn um die geht es nicht und die gibt es auch nicht.  Sondern wegen der Sprache des Buches, die einen mitnimmt mitten ins Weinviertel.



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