Alfred Komarek: Alt, aber Polt

verfasst am 15.11.2015 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Komarek, Alfred, Kriminalromane

Alfred Komarek versteht es meisterhaft seine Schilderungen über die Kellergasse, das Weinviertel, über Simon Polt mit einem Hauch von Poesie zu unterlegen. Die Schilderungen der einzelnen Protagonisten, ihrer Eigenheiten, ihrer Verschrobenheiten machen das Buch zu einem lustvollen Lesevergnügen.

Ich bin eine ausgewiesene „Fanin“ der Poltbücher. Es war ein Vergnügen, eine Reihe von „Mitspielern“ aus den ersten Büchern wieder zu finden. Leider fehlt in diesem Buch der Kater Cernohorsky, er hat das Zeitliche gesegnet. Dafür gibt es aber einen anderen Kater – dazu später.

Wiesbachtal, die liebliche Landschaft präsentiert sich um einiges anders als in vergangener Polt-Zeit. Die sich über das Land, und speziell über die Kellergasse, ausbreitende Ruhe und Behaglichkeit ist nicht mehr wie sie einstens war.

Nur einer ist in seiner austrahlenden Ruhe gleich geblieben – Simon Polt. Er geht auf die 70 zu, ist seit vielen Jahren nicht mehr Gendarm. Er widmet sich seiner Gemischtwarenhandlung, die er von der Frau Habesam geerbt hat. In dem Küchenbüro seines Geschäftes genießt er Köstlichkeiten aus der Umgebung, z.B.selbstgemachtes Grammelschmalz. Die Grete Hahn hat ihm Grammelschmals vorbeigebracht und dabei ein knäuliges, Goldhamster ähnliches Viecherln beim Polt entdeckt. Aber weit gefehlt, das war der zugelaufene Kater. Und just hatte Simon die Idee für seinen noch namenlosen Kater – er soll Grammel heißen. Dann kaute Polt beglückt sein Grammelschmalzbrot.

Ähnliche Episoden ziehen sich durch das Buch. Wenn die einstige Schauspielerin – die Frau Martell, sie hat sich nach ihrer Karriere auf das Land zurückgezogen, den Polt „anbratet“. Das ist schon ganz großes Lesevergnügen.

Oder wenn der Höllenbauer dem Polt Wein einschenkte, einen grünen Veltliner, nach einem gar köstlichen Schweinsbraten, von der Höllenbäuerin zubereitet.
Bedauerlicherweise gibt es nicht nur kulinarische Köstlichkeiten, sondern auch Grauslichkeiten. Da hat doch jemand dem Polt in sein Presshaus – er ist ja auch Weinbauer geworden – brennendes Zeugs hineingeworfen, was dem armen Ex-Gendarmen beinahe die Freude an diesem Refugium genommen hätte.

Doch das Betrüblichste war wohl der Tod von der Laura, dem Eichinger seiner einzigen Tochter. Ein Schatten legte sich auf das Wiesbachtal.
Gott sei Dank kam ja bald seine Frau mit den beiden Kindern zurück. Polt’s Leben wird ja dann wohl wieder in geregelteren Bahnen verlaufen.

Nachdem das Buch noch vor der Rückkehr von Frau Polt endet, äußere ich ganz keck, das Alfred Komarek vielleicht doch noch nicht den letzten Polt geschrieben hat. Einfallen tät ihm ja sicher noch Vieles über den Polt und die Kellergasse.


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