Komarek, Alfred: Blumen für Polt

verfasst am 11.01.2010 von | 1 Kommentar
Rubriken: Komarek, Alfred, Kriminalromane

So ein Wiesenbach, der windet sich in seinem Bett ganz gemächlich durch die Landschaft. Hin und wieder hört man ein leises Gurgeln, dann ein Plätschern, dort wo der Bach einen moosbewachsenen Stein umspült. Unvermittelt macht er einen Bogen, umrundet einen kleinen Hügel. Man steht an diesem Wiesenbach und wundert sich manchmal, wie das Wasser überhaupt fließen kann, man sieht doch fast kein Gefälle.

Doch es fließt. So fand ich die Atmosphäre im 2. Polt-Krimi. (Für mich war es der erste, den ich gelesen haben, weil Band 1 gerade in irgendeinem Bücherregal verschollen ist.). Simon Polt, Inspektor der Gendamerie in einer Zeit als Gendamerie noch Gendamerie und Polizei noch Polizei war, lebt und arbeitet in genau so einem Ort: viel sieht man nicht, aber doch bewegt sich etwas und sobald man wieder hinsieht, ist alles schon ganz woanders – und mitten durch fließt der Wiesbach.

Das Dahinscheiden eines kleinen Betrügers, der anscheinend einmal zu oft betrügen wollte und der Tod von Willi, der allen bis auf Polt gleichgültig war. Die beiden gelangweilten Teenager-Anarchisten und die Bande der Vier mit den drei Geheimnissen. Mehr von Ahnungen als von Spuren geleitet macht sich der Inspektor immer wieder auf den Weg durch seine kleine Stadt, spricht hier, hört dort zu und erfährt einiges, ohne dabei in typische Polizeiarbeits-Routine zu verfallen.

Das soll nicht heissen, dass man dabei auf die notwendigen Zutaten für einen Krimi verzichten muss. Langsam zu Beginn, immer schneller werdend, mit eine paar Verirrungen in falsche Spuren, ansteigende Spannung. Am Ende ist dann doch alles geklärt. Denkt man.

Nachwort/Nachfrage: als das Buch erschien, da bezahlte man bei uns noch mit Schilling. Da kauft sich der Polt doch glatt zwei Käswurstsemmeln mit Gurkerl um 21 Schilling. Kennt jemand ein Geschäft, in dem man das jetzt um 1,50€ bekommt? Oder auch um 2€ wegen der Inflation?



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  • Kommentar von  Sündi am 11.01.2010 um 13:01 Uhr Uhr

    nein mein lieber andreas das gibt es schon lange nicht mehr.
    das war noch die gute alte zeit, wo sich der simon polt auch noch wohl gefühlt hat!

    möchtest du eine euro = teuro diskussion anzetteln?
    ist in deiner haushaltskasse die ebbe ausgebrochen?

    die fiona (dem karl heinz grasser die seinige) hat uns doch schon einen nützlichen tipp gegeben: nicht rummaulen sondern die lebensmittel selbst am balkon anbauen.
    man könnte ja auch in der wohnung ein paar schweine großziehen – so weit ist die fiona mit ihren ratschlägen allerdings nicht gegangen.
    da siehst du wieder das die meisten menschen einfache antworten suchen und die dinge nicht bis zum ende durchdenken.

    übrigens erinnert mich deine frage auch an die ehemalige chefin der jungen övp silvia fuhrmann, eine paradeintellektuelle und vordenkerin reinstem wassers.
    sie meinte bzgl einer pensionserhöhung das man sich um 10 euro eh 3 wurstsemmeln kaufen kann.
    die frage ist nur wo?
    beim meinl am graben?
    bei harrods in london?
    gum in moskau?

    blumen für dich andreas das du den komarek besprichst!
    gehört zur modernen österreichischen literaturgeschichte wie die gedankenlosen aussagen zu politikern oder zu deren gattinnen.

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