Komarek, Alfred: Polt muß weinen

verfasst am 07.02.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Komarek, Alfred, Kriminalromane

Das ist er: der Ur-Polt, der Vater aller Brunnbach-Krimis. Der spielt in einer Zeit, als es noch Gendamerie, Fernschreiber und den Schilling gab und Handys noch etwas exotisches an sich hatten. Allerdings, dort in Brunndorf im Weinviertel, läuft alles viel unaufgeregter ab als anderswo – so unaufgeregt, man kann sich leicht vorstellen, dass auch heute noch alles so ist wie damals.

Doch selbst eine derartige Idylle ist nicht davor gefeit, Schauplatz von Verbrechen zu sein. Als Albert Hahn tot in seinem Weinkeller gefunden wird, trauert niemand um ihn, selbst seine Witwe ist mehr erleichtert als bedrückt. Der Gemeindearzt bestätigt dazu noch die Todesursache Gärgas und somit einen Unfall – keine Arbeit für die Gendamerie.

Wäre da nicht Simon Polt, der zwar zuerst noch keinen offiziellen Ermittlungsauftrag hat, dafür aber das Gespür dafür, wenn etwas nicht ganz astrein ist, dann wäre das wohl alles für immer im Verborgenen geblieben:

…  das aufgesetzte weltmänische Gehabe von Florian Swoboda, der sind gerne als Freund der Prominenten und Einflussreichen sieht.

…  die Gründe warum der Architekt Pahlen mehr Zeit als einem gebildeten Menschen zustehen würde mit dem Hahn verbracht hat.

… was es mit dem Bartl auf sich hat, der obwohl verwahrlost und meist sturzbetrunken regelmäßig bei Hahn zu Besuch war.

Noch nach seinem Tod  säht Albert Hahn Zwietracht im kleinen Ort, ja sogar einen Brief an den Polt – ein Testament der Bosheiten gewissermaßen – hat er zu Lebzeiten noch verfasst und bringt damit alle noch mehr gegeneinander auf.

Da die Bewohner, die froh sind, dass der Intrigant nicht mehr lebt und dort der Gendarm Polt, der einerseits  seiner Moral folgt um den Fall zu klären aber andererseits auch gut den Unwillen seiner Freunde und Bekannten im Ort versteht, die das Kapitel Hahn endlich abgeschlossen sehen wollen.

Wie der Polt so das Buch: beide nehmen sich Zeit – der eine um mehr zu erfahren, das andere um mehr zu enthüllen. Langsam pendelt es zwischen den Kellergassen  hin und her, wird stetig ein wenig schneller, bleibt sich aber immer treu und hält noblen Abstand zu all den rasanten und reisserischen Geschichten, die sonst die Bestsellerlisten füllen.

Man sieht sie förmlich, die kleine Welt der  kleinen Dorfgemeinschaft, man spürt die Atmosphäre der alten Weinkeller. Leicht zu verstehen, dass diesem Ur-Polt noch einige weitere folgten und dass daraus auch noch ein Film wurde.

Aber halt! Eines noch! Auch wenn es vielleicht so ist in einer Weingegend, so kommt für mich das dauernde Wein trinken samt darauf folgendem Rausch (mal weniger, oft mehr, meistens täglich) zu sehr verharmlost daher. Fast so als ob es zwingendes Kulturgut wäre und deshalb schon in Ordnung. Darum auch nur 4 statt 5 Punkte.



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