Slupetzky, Stefan: Absurdes Glück

verfasst am 07.12.2009 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kurzgeschichten, Slupetzky, Stefan

Christian Klinger hat mir dankenswerter Weise diesen Tipp zur Behandlung meiner Postlemmingdepression mit auf den Weg gegeben. Stefan Slupetzky versucht in diesem Büchlein in 14 kurzen Erzählungen im Stile des phantastischen Realismus den Höhepunkten, aber auch den Abgründen des Glücks auf die Spur zu kommen.

Dabei hält er sich an die klassische Vorgabe, wonach eine Kurzgeschichte eine Pointe aufweisen soll. Sein Humor tendiert, wie aus den Lemmingen bekannt, oft ins schwärzlich Makabre mit melancholischem Unterton und legt verschiedenste Absurditäten frei.

Der Erzählform Kurzgeschichte, der sich Slupetzky bedient ist auf äußerste Dichte angelegt und verbindet Humor, Tiefsinn, Tragik, Ironie und Absurdes mit fester Klammer. Jede Geschichte strebt auf eine Pointe zu und lässt sie anschließend in einem gänzlich anderen Licht dastehen, ähnlich Roald Dahl, dem Meister der modernen Shortstories. Die Suche nach Glück wird gemeinhin oft mit der Suche nach Liebe gleichgesetzt. Das Glück offenbart sich allerdings auch an „subtileren“ Orten, beispielsweise im Dschungel auf der Suche nach Abenteuern oder in der Erfüllung höchsten Konsumglücks.

Bei Slupetzky begeben sich aber nicht nur Menschen, auch Tiere und sogar Gegenstände auf diese Suche. Berührend die Geschichte eines DocMartens Herrenschuh, der sich in einem Autobus in einen Damenschuh namens Footjoy verliebt und schlussendlich treiben beide eng verbandelt gemeinsam die Donau hinunter.

Oder das Schicksal der beiden Schafe Leopold und Gundi, die sich im Kopf eines neunjährigen Buben kennenlernen, der vor dem Einschlafen immer Schäfchen zählt.

Absurdes Glück kann es aber auch bedeuten, wenn zwei Brüder, der eine Pfarrer von Oberschlutz, der andere Priester in Unterschlutz in einem gemeinsamen Grab beerdigt werden.

Das Buchcover illustriert die Geschichte eines Mannes, bei dem, wenn er von Nervosität geplagt wird, die Körperteile zu wandern beginnen und an den unpassendsten Stellen wieder auftauchen, zum Beispiel ein Fuß plötzlich aus seinem Ohr herauswächst.

„Absurdes Glück“ ist ein unterhaltsames Büchlein, ein Kleinod, ideal zwischen zwei anspruchsvollen Schwarten zur Entspannung. Aber auch bestens geeignet als Geschenk für einen (Noch)Nichtleser, um ihn sachte in die Droge Literatur einzuführen.



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