Stefan Slupetzky: Atemlos
Short Stories

Zehn Kurzgeschichten von Stefan Slupetzky über dieses und jenes, alte und ganz aktuelle Themen, Spannendes oder etwas zum Weiterdenken, manches ernst, manches ganz und gar unernst.

Es hat ja einen ganz großen Vorteil, ein Buch mit Kurzgeschichten zu lesen: sind sie von einem Autor geschrieben, den man auch sonst auf der eigenen Leseliste hat, dann muss man nicht ein oder zwei Jahre warten, bis die nächste Publikation erscheint. Bei Stefan Slupetzky ist es ganz eindeutig so: er lässt sich für mein Gefühl zwischen neuen Veröffentlichungen oftmals viel zu lange Zeit, womit diese Geschichten-Sammlung für mich eine wahre Freude und Fundgrube ist:

Würde „der liebe Gott“ heute eine Sintflut über die Welt schicken, dann wäre das Ergebnis eventuell ein wenig anders, als es in diversen Büchern nachzulesen ist. In ARCHE JOHANN lässt sich nachlesen, was passieren würde und warum. Das strikt getaktete Leben des Homo Sapiens im 21. Jahrhundert wird einem in ATEMLOS so richtig bewusst und man fragt sich, ob das wirklich sein muß?  Wer ZRIBITZER liest, wird wahrscheinlich ein paar Ähnlichkeiten zu einem bei, wohl vorwiegend männlichen, Mitbürgern auftretenden Abenteuerzwang erkennen.

WESTEND STORY ist eine Geschichte über einen Privatdetektiv aus Wien, der in Wiesbaden (ja, warum ausgerechnet Wiesbaden..) einen Auftrag nicht ganz im Sinne des Auftragsgebers zu Ende bringt. Bei uns mag diese Zeit überwunden sein, in anderen Weltgegenden aber wird DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWELFELHÖLZERN vielleicht gerade in dem Moment, in dem wir diese Geschichte lesen, am Leben sein.

Anleihen an Frankenstein (oder ähnlichem klassischen Horror) hat Stefan Slupetzky in DAS GEFANGENE HERZ genommen; Edgar Allen Poe liest diese Erzählung sicher mit wohlwollendem Schauer von Literatenhimmel aus mit. Bei BOM ist es dann ein Thriller, der beschreibt, wie moderne Lobbyarbeit vielleicht auch verstanden werden könnte.

Weil Stefan Slupetzky aber immer auch ein Autor mit klarer Position ist, finden sich natürlich auch Geschichten über Themen, die das Herz und den Geist der Menschen im 21. Jahrhundert bewegen (wenn auch, je nach intellektueller Beweglichkeit und charakterlicher Ausrichtung in ganz unterschiedlicher Weise). ACH AFRIKA kehrt das liebste Propaganda-Thema der Rechts-Nationalisten um und erzählt es aus einer neuen Perspektive. Nicht fehlen darf natürlich eine Pandemie, die in BUMMABUNGA aber doch etwas heftigere Auswirkungen hat; schon wieder kommt ein bisserl Horror ins Spiel, wenn die Untoten auf den Straßen wüten – aber keine Angst, ein Heilmittel ist in Sicht!

Zum Schluss ein Ausflug ins Western/Eastern-Genre in DIE BEFREIUNG CHIPULCHICAS: diese Sache mit Banditen und den sieben selbstlosen Helden kennt man doch … aber lief das nicht ein wenig anders ab?

In anderen Geschichtensammlungen mag es die eine oder andere Erzählung geben, die weniger gut gelungen ist; aber in „Atemlos“ finde ich alle zehn einfach nur wunderbar und lesenswert. Schade nur, dass es nur zehn Short Storys sind und ich wieder ein oder zwei Jahre warten muss, bis Nachschub vom Autor kommt.



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