Alfons Seidenbast war früher Chefinspektor bei der Wiener Polizei. Seine Arbeit als Polizist endete abrupt, nachdem er nicht widerstehen konnte und sich mit der sichergestellten Beute absetzte. Jahre später zieht es ihn wieder in seine Heimatstadt zurück, mit dem festen Vorsatz sich für seine Tat zu verantworten und den Behörden zu stellen
Acht Jahr zuvor war es Seidenbast nicht gelungen, eine Reihe von Mordfällen zu klären, die sich im Dunstkreis von Stadtpolitik und Baufirmen ereignet hatten. Zuerst wurde eine eingemauerte Leiche in einer gerade neu bezogenen Wohnung gefunden, dann zog man einen mit einer Leiche und viel Zement beladenen Lieferwagen aus der Donau.
Die Spur führte Seidenbast zur Baufirma des Baumeisters Lackner, der seine Kontakte zu einem Stadtpolitiker geschickt nutzen konnte um die Konkurrenz auszustechen und zu einem ganz Großen der Branche zu werden.
Die Ermittlungen mussten im Sand verlaufen, denn Seidenbasts Vorgesetzter stand dem weiteren Erfolg im Wege, indem er weitere Untersuchungen gegen die beiden Männer unterband und Seidenbast vom Fall abzog.
Ein neuer Fall war es dann, der den Chefinspektor in Versuchung und zu seiner Flucht nach Mittelamerika führte. Mit der Beute hatte er dort gut gewirtschaftet und ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut. Doch die Erinnerungen verfolgen in bis in die Gegenwart: die Erinnerung an den ungelösten Fall und die Erinnerung an sein eigenes Fehlverhalten und alles das, was er danach tat um unentdeckt zu bleiben.
Mit genügend Geld in der Tasche und einem Plan im Kopf macht Seidenbast sich auf nach Wien.
Das Buch hat zwar nur 248 Seiten, aber es hat mehr als drei Wochen gedauert, es zu lesen. Warum ? Nun ja ..
… die ersten 150 Seiten sind überaus anstrengend zu lesen. Es ist eine sehr ungewohnte Sprache, die (nehme ich an) aus der Absicht entsteht durch geschriebenen Dialekt eine Art von Wiener Flair einzubringen. Das geht erst einmal in die Hose. Es kommt nämlich kein Flair zustande sondern nur eine äußerst holprige Ausdrucksweise. Mit (zu) viel Detailbeschreibung der Gefühls- und Gedankenwelt von Seidenbast und anderen geht zwischendurch der Faden der Geschichte verloren. Ich hab ja nichts gegen die Charakterisierung der handelnden Personen, aber so viel muss es auch wieder nicht sein.
Aber: das Buch kam mit der Post, das ist die Verpflichtung, es auch zu Ende zu lesen.
Im letzten Drittel zahlt sich das Weiterlesen dann aus. Die Geschichte gewinnt zunehmend an Schwung, wird leichter lesbar (wobei ich nicht sagen kann, ob das aus der Gewöhnung an den Stil geschieht, oder weil sich der Stil geändert hat) und spannend(er).
Zur Geschichte selbst: die wirkt derart realitätsfern, daß sich mir öfters die Frage stellte, ob das vielleicht doch eine wahre Geschichte ist? Und was wurde aus Nora?
