Christian Klinger: Gleichenfeier

Es beginnt mit einem Sturz vom Baugerüst – von irgendwo in der Höhe des 16. Stockwerkes. Der Mann versucht sich vor den Leuten, die die Arbeitsgenehmigungen und Anmeldungen kontrollieren, in Sicherheit zu bringen, doch das misslingt ihm ganz gewaltig. Vor den Augen seiner Verfolger verschwindet der Mann und liegt wenig später aufgespießt und tot einige Stockwerke weiter unten.

Es sieht zunächst aus wie ein dummer Unfall, aber warum musste der Mann auch weglaufen? Was die Kontrolleure auf der Baustelle aber nicht wissen ist, dass da noch ein anderer Mann war. Einer, der unerkannt entkommen konnte; einer der vorher dem (in dem Moment natürlich noch lebenden) Toten einen Rempler in genau der passenden Stärke gegeben hatte, um ihn damit hinunter und ins Jenseits zu befördern. Einer, der einen Auftrag zu erledigen hatte.

Marco Martin darf endlich wieder einen Fall lösen. Bevor das aber passiert begleiten wir ihn ein wenig durch sein Leben. Wobei es zu durchaus spannenden und überraschenden Einblicken kommt, wenn man liest, dass der gute Mann ein leichter Snob ist;  dass er mit schwer jugendgefährdenden Gedanken durch die Welt geht; dass er nicht mehr ganz so jugendlich-vital ist, wie er es gerne hätte, dass er … aber das soll er Ihnen doch lieber selber erzahlen.

Obwohl es gleich mit einem Toten beginnt, nimmt sich das Buch das Zeit, zu einem richtigen Krimi zu werden. Marcos Familie und Vorlieben sind dabei nur ein Aspekt, über den wir vieles erfahren.  Auch der altbekannte Inspektor Krasberger ist wieder mit dabei und gemeinsam/gegeneinander/nebeneinander arbeiten sich die beiden in den Fall hinein. Bald schon muss man sagen “Die Fälle”, denn wenn es auf einer Baustelle einmal einen Toten gibt, dann ist ein zweiter oft nicht weit.

Das stellt sich nur noch die Frage: warum ist Marco Martin eigentlich da involviert? Ganz einfach: der Kontrollor, der dem Toten am nächsten kam, der dem Mann nachlief bevor der so tief fiel, ist Marcos Schwager (Obwohl Marco, aus Gründen, die nachzulesen sind, dieses Wort wohl lieber nicht in den Mund nehmen möchte). Niklas – so heisst der Schwager – wird als Mordverdächtiger verhaftet. Alle sahen ihn dem Flüchtenden nachlaufen und dann ist auch noch diese Zeugenaussage. Logisch, dass Marcos Schwester ihren Bruder um Hilfe bittet; der würde es zwar gern, kann aber nicht nein sagen.

Christian Klinger gibt seinen HauptdarstellerInnen enorm viel Charakter, Persönlichkeit und Emotionen mit. Das schafft eine sehr dichte Atmosphäre und lässt die Leserin/den Leser mitfühlen, -leiden, -hoffen, -freuen. Man ist quasi mitten drin statt nur dabei (Hab ich das jetzt erfunden? Wäre vielleicht ein toller Spruch für einen Sportsender? :-). Spannend auch der immer wieder eingesetzte Wechsel in der Sprache. Vom Dialekt bis zum Hochdeutschen wird da gesprochen, je nachdem wie es die Situation erfordert, so wie es auch bei uns selbst geschieht.

Überhaupt ist es leicht, sich in die Personen, in das, was tun, hineinzudenken und es mitzuerleben. Das ist eine wirkliche Stärke dieses Romanes.

(G)Leichenfeier spielt in einem Umfeld, über dessen zuweilen recht kriminelle Energie man auch regelmäßig in den Medien nachlesen kann. Dort, wo Leute für Dumpinglöhne aus den ärmeren Nachbarländern zu uns gekarrt werden, wo es viel zu oft geschieht, dass Firmen abkassieren und verschwinden, bevor die Finanz vorbei schaut, dort gibt es genügend Leute, die enorm viel Geld mit diesen Machenschaften verdienen. Und sicherlich vor nichts zurück schrecken, um ihre Reviere zu verteidigen.

Folglich geht es wenig zimperlich zu.

So ist also der Stand der Dinge: warum die beiden Männer sterben mussten ist zunächst völlig unklar. Und ob die beiden Morde miteinander zu tun haben, dass muss sich erst noch herausstellen. Und was es mit diesem Vukic auf sich hat, wie der zu seinem Geld gekommen ist, das sollte man auch hoch heraus finden. Gut, dass Marco und Krasberger sich um die Sache kümmern, den so ganz ohne die beiden würden wir bei der Aufklärung nicht weiter kommen.

Jetzt findet sich auch noch eine wohlige Spannung beim Lesen ein, womit aus der “(G)Leichenfeier” eine äußerst empfehlenswerter Krimi wird. Personen und Handlung so glaubhaft, es könnte wahr sein. Wer noch nicht hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen.


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