Buchbesprechung/Rezension:

Karsten Dusse: Achtsam morden durch bewusste Ernährung
Achtsam morden-Reihe Band 5

Achtsam morden durch bewusste Ernährung
verfasst am 17.01.2024 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Dusse, Karsten
Genre: Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Emily soll entführt werden! Das schlägt, dank Björn Diemels heroischem Einsatz, fehl. Ärgerlich nur, dass bei der Aktion einer der Entführer Björns Smartphone mitgehen lässt. Wer, mangels Lektüre der ersten vier Romane der „Achtsam morden-Reihe“ nicht weiß, warum das im speziellen Fall des Anwaltes Diemel äußerst prekär ist, bekommt in den ersten Kapiteln eine Zusammenfassung im Stil von „was bisher geschah“ geliefert.

Das ist sehr praktisch, auch wenn man, so wie ich, diese vier gelesen hat, denn so wird alles Wissen gleich wieder aufgefrischt. Gleich wieder da ist ebenfalls die beste Unterhaltung, bis zum ersten Lacher muss man nur wenige Seiten blättern. Und beim Weiterlesen sieht man: Carsten Dusse war beim Schreiben dieses Romanes bestens aufgelegt!

Emily ist übrigens Björns Tochter und der Entführungsversuch findet im Tiergarten statt. Als Papa dort nämlich eine wirklich sehr raffiniert getarnte Marihuanaplantage besichtigt, die als neueste Errungenschaft in das von ihm geleitete mafiaähnliche Netzwerk eingegliedert werden soll. Der Aufsichtsratsboss kommt quasi auf Werksbesuch.

Zum Einstieg liest man vorab noch 1. über Björns aus dem Ruder laufenden Ernährungsgewohnheiten und 2. sein Privatleben mit Tochter und geschiedener Ehefrau. Das ist durchzogen von wirklich witzigen Passagen, inklusive und jede Menge Zwinker-Zwinker-Seitenblicken auf unser aller trendiges Alltagsleben. Zum Schulunterricht beispielsweise …

In Mathematik wurde in aller Ruhe darüber gesprochen, wie sich die Kinder beim Anschauen einer Rechenaufgabe fühlten.
S. 56

Mit viel Lachen und noch mehr Schmunzeln liest man, wie Carsten Dusse die gängigen Klischees und seltsamen Trends unserer Zeit sehr, sehr unernst auf die Schaufel nimmt. Abschnittweise könnte man auf einer Comedy-Bühne aus dem Buch einfach nur vorlesen, um viel Applaus von einem vergnügten Publikum zu erhalten. Die Gagdichte nimmt mit Fortgang der Handlung zwar etwas ab, es bleibt aber überaus unterhaltsam.

Natürlich, das erwartet man ja schon wegen des Buchtitels, geht es auch um das Essen im Allgemeinen und Björns Fressattacken im Speziellen. Fast Food am Tag und Chips am Abend, das sprengt bald jeden Hosenbund, so auch den von Björn. Aber was soll man denn tun, wenn man einfach nicht aufhören kann – Womit das Buch bei einem Thema ankommt, das wohl viele Leute aus leidvoller Erfahrung selbst kennen :-)) (ich auch, wenn das aber zum Glück schon viele Jahre zurückliegt).

Jetzt kommt Joschka Breitner, Björns Achtsamkeit-Coach in Spiel, der gerne zusätzlich noch den Job des Ernährungsberaters übernimmt. Radikale Umstellung ist ab sofort angesagt, damit der Hosenbund bald nicht mehr zwickt. Es wird sich herausstellen, dass diese neue, achtsame Ernährung bei Björn auch die Gehirnwindungen wieder so richtig in Gang bringt; die Voraussetzung für die kreative Lösung anstehender Probleme.

Man nimmt quasi an einem Seminar Breitners teil und lernt dabei eine ganze Menge über Essen, Ernährung im allgemeinen und über die meist ungesunden Lebensmittel, die wir zu uns nehmen.  Wer weiß, vielleicht finden sich auch für die Leserinnen und Leser dabei auch ein paar gute Tipps? Aber jedenfalls: Mahlzeit!

Worum es im kriminellen Teil des Romanes geht, ist zwar rasch erklärt, aber dennoch überraschend: Es wäre doch, ganz im Sinn von Zeitgeist und Klimaneutralität, angebracht, den Anbau von Marihuana zu modernisieren. Ökologisch, CO2-neutral, mit kurzen Lieferwegen, regionale Qualität eben. Wenn Außenstehende davon erfahren, dann sind rasche Maßnahmen erforderlich, um zu verhindern, dass das Projekt bekannt wird. Pech für die Entführer, dass sich auf Björns Smartphone recht eindeutige Hinweise auf die Plantage finden. Pech, denn sie haben nun nicht nur kein Entführungsopfer in der Hand, sondern stattdessen eine ganze Verbrecherorganisation an den Fersen.

Achtsam morden durch bewusste Ernährung“ ist zudem eine wirklich großartige Satire auf vieler der zeitgeistigen Strömungen, die von Menschen mit allzu übertriebener Motivation angetrieben sind (und vielen anderen auf die Nerven gehen). Von vermeintlicher kultureller Aneignung über verbissenen Veganismus bis hin zu verklebtem Klimaaktivismus. Also viele Dinge, deren überaus sinnvolle Grundgedanken durch blinden und abstoßenden Aktionsmus ad absurdum geführt werden.

In der ganzen Buchreihe gibt es ein Element, noch besser: das Leitelement der Story, bei dem viele Leserinnen und Leser vielleicht nicht ganz sicher sein werden, wie sie das einschätzen sollen. Wenn es dem überaus sympathischen und wie ein völlig normaler Mensch wirkenden Anwalt und Gangsterboss Björn Diemel abseits seiner Alltagsprobleme überaus leicht fällt, einen Mord oder sonst eine Untat zu begehen oder in Auftrag zu geben.

Ein Böser, der zugleich ein Guter ist – geht denn das überhaupt?
Weil es sich um eine überaus gut gelungene und treffsichere Satire auf unsere Gegenwart handelt, finde ich: ja, das geht, sehr gut sogar! :-)




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