Buchbesprechung/Rezension:

Karsten Dusse: Das Kind in mir will achtsam morden
Achtsam morden-Reihe Band 2


verfasst am 07.08.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Dusse, Karsten, Kriminalromane
LiteraturBlog Bewertung:

Björn Diemel hat sich in den zurückliegenden Monaten ganz in seine neue Rolle eingelebt: nach außen hin honoriger (na, vielleicht nicht ganz) Rechtsanwalt, im Verborgenen aber Lenker eines ganzen Mafiaklans. Man wird sich erinnern, dass Björn dazu kam, als er Dragan, den eigentlichen (das Wort „rechtmäßig“ hört sich in diesem Zusammenhang so falsch an) Mafiaboss, ins Jenseits beförderte.

Nun also ist er das Sprachrohr des angeblich untergetauchten Dragan und kann wunderbar schalten und walten, wie es ihm gefällt. Wenn da nur nicht seine Neigung wäre, hin und wieder Leute umzubringen. Dagegen muss Björn dringend etwas unternahmen, will er doch nicht wegen so eine Kleinigkeit versehentlich in die Fänge der Polizei geraten. Sein Achtsamkeitsberater Joschka Breitner  muss wieder helfen, immerhin ist der an dem Ganzen ja auch nicht unschuldig.

Wobei man zu dem „Unfall“, dem der Kellner auf der Almhütte zum Opfer fiel auch dazu sagen muss, dass der es quasi selbst verschuldet hat – so geht man mit Gästen wie Björn und seiner Familie einfach nicht um.

Ganz konkret geht es nun darum: Der Mafiaboss Boris – man möge die Umstände, wie es dazu kam im ersten Buch nachlesen – sitzt eingesperrt in Björns Keller und hat nicht viel Aussicht, jemals wieder das Tageslicht zu sehen. Den ganzen schönen Plan bringt ein Unbekannter/eine Unbekannte ins Wanken, als eines Morgens die Haustüre aufgebrochen und Boris verschwunden ist. Wer, bitte schön, hat denn überhaupt von Boris‘ Kellerverlies gewusst und wo ist Boris jetzt überhaupt? Es scheinen sich (lebens-)gefährliche Zeiten für Björn anzukündigen.

Nachdem Kasten Dusse mit dem ersten Roman der Serie sein Erfolgsrezept gefunden hat, kocht er mit den mehr oder weniger selben Ingredienzien auch den zweiten Roman. Handlungsfähig schließt Nr. 2 an Nr. 1 nahtlos an, es kommt aber noch diese Sache mit dem „Inneren Kind“ dazu. Das redet immer mit, seit der Achtsamkeitsberater das Thema bei einer Sitzung ins Spiel gebracht hat.

Manchmal ist es eine gute Idee, wenn man selbst das beste Erfolgsrezept ein wenig abwandelt, einfach um dem Publikum neue Geschmackserlebnisse zu bieten. So etwas hätte diesem Roman auch gutgetan. Nicht, dass man nicht erneut bestens unterhalten wird, aber diesmal kann man sich eben schon einiges selbst denken, was dann konzeptgemäß stattfinden wird und es haben sich auch ein paar Längen in die Erzählung eingeschlichen.

Vor allem die (inneren) Dialoge zwischen Björn und seinem Inneren Kind finde ich mit der Zeit überlesenswert, weil zu aus- und abschweifend. Je weiter ich im Buch vorankomme, desto mehr stelle ich erfreut fest, dass der Roman ohne diese Dialoge – jedenfalls für mich – weitaus besser funktioniert, schwungvoller und unterhaltsamer ist. Es gibt aber leider auch in der nun gestrafften Lesung nicht mehr so viel zu lachen, denn vieles wirkt wie aufgewärmt aus dem Fundus des ersten Bandes.

Vielleicht wäre meine Begeisterung größer, hätte ich diesen Roman zuerst gelesen, weil dann natürlich das meiste noch originell gewesen wäre. Andererseits sind viele Zusammenhänge ohne die Lektüre von Band 1 nur schwer zu durchschauen.

Ein bisserl Enttäuschung macht sich also breit über einen Roman, von dem ich mir mehr erwartet habe, der aber insgesamt doch flotte Unterhaltung mit vielen amüsanten Passagen liefert.




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