Buchbesprechung/Rezension:

Michel Bergmann: Der Rabbi und der Kommissar - Du sollst nicht morden


verfasst am 26.10.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Bergmann, Michael, Kriminalromane
LiteraturBlog Bewertung:

Kann man bei Mord lachen? Nun ja, vielleicht nicht direkt angesichts des Opfers, aber rundherum sehr wohl. Lachen jedenfalls, das kann man in diesem Krimi ausgiebig.

Doch zunächst zur Handlung: Rabbi Henry Silberbaum begibt sich für einen alten Freund auf den Pferderennplatz, um dort auf dessen Rennpferd, die 10-jährige Stute heißt Josephine M, einen ordentlichen Betrag auf Sieg zu setzen. Auch wenn es zunächst gar nicht danach aussieht, gewinnt Josephine M. und ihr Besitzer Hugo Weisz ist um 28.000 Euro reicher. Ob das überhaupt legal  war?

Aber egal: jedenfalls möchte Rabbi Silberbaum den Gewinn überbringen, trifft jedoch nur ein, um den verstorbenen Hugo Weisz zu finden. Es war, so die Annahme der Leiterin des jüdischen Seniorenstifts, in dem Weisz wohnt(e), wohl die Aufregung über den enormen Gewinn, die zu viel für den alten Mann war. So weit, so normal – so ist eben der Lauf des Lebens.

Ein weiterer Todesfall innerhalb weniger Tage macht den Rabbi dann aber sehr wohl sehr hellhörig. Eine alte Dame war wenige Tage zuvor noch bei ihm zu einem Gespräch und plötzlich ist sie ebenfalls tot. Sehr eigenartig und dazu umfängt ihn noch dieses unbestimmte Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung wäre.

Gut, dass Rabbi Silberbaum jetzt der Name von Kommissar Berking in den Sinn kommt (man kennt sich von früher). Und gut, dass man Berking auch sonntags im Büro antreffen kann, auch wenn der nicht gerade begeistert über die Störung ist. Dennoch: so ganz abgeneigt ist der Kommissar nicht, sich der Sache anzunehmen. Auch wenn die wirklich harten Fakten fehlen, alles auf Vermutungen und Bauchgefühlen basiert, versuchen die beiden einen Staatsanwalt davon zu überzeugen, dass ermittelt werden soll. Nun ja; das klappt nicht.

Rabbi Silberbaum lässt sich aber nicht von seiner Vermutung abbringen, alles Mögliche versucht er, betätigt sich als Privatdetektiv, spannt alte Freunde ein und bekommt sogar Tipps von der Polizei, wo er nachsehen sollte, wo man vielleicht Beweise finden könnte. Bei seinen Ermittlungen stellt er sich recht geschickt an, was sogar Berking anerkennen muss.

Der eine Teil des Romanes, das sind die Ermittlungen des Rabbis und die Klärung der Frage, ob Ruth Axelrath eines natürlichen Todes starb oder ob sie ermordet wurde.

Der andere Teil, das sind seine Gespräche, Diskussion und Auseinandersetzungen mit den Menschen in seinem Umfeld. Ob mit Kommissar Berking, der unglaublich gut aussehenden Ester Simon, der Leiterin des Seniorenstifts, Doktor Friedmann, dem Direktor des jüdischen Gemeindezentrums, mit seiner Mutter, mit seiner Freundin (die nur via Zoom am Geschehen teilnimmt), mit seiner Freunde – mit wem auch immer. Dieser Teil ist das, was diesen Krimi über die Vielzahl der laufend veröffentlichten Krimis heraushebt; und zwar sehr weit heraushebt.

Dem Autor Michel Bergmann sind wirklich großartige Dialoge gelungen, die sind durchwegs witzig und geistreich zugleich. Womit ich wieder zum Anfang zurückkomme und feststelle: Lachen in diesem Krimi ist nicht nur zulässig, es wird sich wohl kaum verhindern lassen! Dass man am Ende auch noch ein paar wirklich lustig Witze zum Weitererzählen mitbekommen hat, ist eine willkommene Zugabe.

Ein so kurzweiliges, so rasantes, so spaßiges Buch habe ich schon lange nicht mehr gelesen. Der Hinweis auf dem Buchrücken, dass dies der Auftakt zu einer ganzen Reihe ist, ist ein Versprechen, dass Autor und Verlag unbedingt halten müssen!




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