Buchbesprechung/Rezension:

Katrine Engberg: Wintersonne
Kørner & Werner Band 5

verfasst am 05.11.2022 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Engberg, Katrine, Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Nichts für einen nervösen Magen: Das erste Kapitel im Buch (wer erinnert sich an die Szene in „Goldfinger„, in der James Bond ein ähnliches Schicksal erwartet?) sorgt für Bilder im Kopf, die man lieber nicht sehen möchte …

Doch so schockierend wie es beginnt, geht es nicht weiter und das ist gut so. Auf die grausame Tat folgt die Ermittlung in einem Fall für Anette Werner, in dem sie auf die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Partner Jeppe Kørner verzichten muss. Jeppe hat es auf die Insel Bornholm verschlagen, wo er sich über den Winter Auszeit von seinem Polizeijob nimmt; Holzfällen, um Abstand von Mordermittlungen zu gewinnen.

In Kopenhagen tauchen die Teile einer männlichen Leiche auf. Eingepackt in einem Koffer, der schon seit Wochen in der Erde liegt, ist es schon kaum möglich, die Identität des Toten zu klären. Wenig später wird ein zweiter Koffer mit den übrigen Teilen gefunden. Das Durchforsten der Vermisstenfälle aus den zurückliegenden Wochen führt zu ein paar vagen Hinweisen, aber nicht dazu zu klären, wessen Leiche man gefunden hat.

Auf Bornholm ist ein Mann seit Monaten verschwunden und Jeppe (einmal Polizist, immer Polizist) wird von der Schwester des Verschwundenen gebeten, private Nachforschungen anzustellen, nachdem die örtliche Polizei nichts unternommen hat. Es dauert nicht lange, bis es immer augenscheinlicher wird, dass beide Fälle, der Mord in Kopenhagen und der Vermisstenfall auf Bornholm, miteinander in Verbindung stehen.

Zur selben Zeit ist auch Esther, Jeppes alte Freundin, auf Bornholm, um dort für ein Buch zu recherchieren, das sie schreiben möchte. Es geht um die Biografie der in Fachkreisen geschätzten, vor wenigen Jahren verstorbenen Anthropologin Margarethe Dybris und dazu zieht Esther für eine Weile in deren Haus. Ein Haus, das nach dem Tod der Mutter, von deren Sohn Nikolaj bewohnt wurde; ein Mann um die fünfzig Jahre alt, ohne festen Lebensinhalt und eben jener Mann, der seit mehreren Wochen spurlos verschwunden ist. Was lässt sich aus dem, was Esther im Haus findet, an Hinweise über Nikolajs Verbleib herausfinden? Sie beginnt, Margarethes Briefe zu lesen – eine umfangreiche Sammlung, verfasst ab dem Jahr 1974 bis zu ihrem Tod, gerichtet an ihre Schwester und gute Freunde.

In der ersten Hälfte des Romanes erfährt man vor allem etwas über die involvierten Personen, deren Lebensumstände und Verhalten. Was davon der Wahrheit entspricht, was nur auf Annahmen beruht, das klärt sich in der zweiten Hälfte. Die beginnt damit, dass Anette, so sehr weisen alle gefundenen Spuren darauf hin, dass die Insel das Epizentrum der Ereignisse ist, nach Bornholm fährt, um vor Ort zu ermitteln.

Besonderes Augenmerk legt Katrine Engberg in diesem 5. Fall von Werner & Kørner auf die Beschreibung des Lebens auf der Insel, wie die Menschen aus relativ wenig Raum miteinander leben, wie es ist, wenn man sein ganzes Leben mit denselben Leuten verbringt, wie sich Zuneigung und Abneigung im Lauf der Zeit verändern. Im Laufe der Jahre geschehen Dinge, die nie vergessen werden können.

Spannend zu verfolgen, wie sich die einzelnen Fäden miteinander verknüpfen, wie das Geschehen von damals und von heute schrittweise zusammenfindet.

Wintersonne“ ist ein wirklich gut gemachter und wirkungsvoll konstruierter Krimi, der seine LeserInnen einfängt und mitnimmt (und erwartet, dass man auch die Nebensätze liest). Die Werner & Kørner-Reihe bleibt damit insgesamt auch mit dem fünften Roman eine unbedingte Empfehlung für Krimi- und Lesefans.




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