Buchbesprechung/Rezension:

Katrine Engberg: Das Nest
Kørner & Werner Band 4


verfasst am 19.04.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Engberg, Katrine, Thriller
LiteraturBlog Bewertung:

Das Lesen vergeht wie im Flug und plötzlich merke ich, dass schon die letzten Seiten heranrücken, schade!

Der Fall des verschwundenen Teenagers bringt Jeppe Kørner & Anette Werner  nach Anettes Babypause wieder als Team zusammen. Es ist ein Fall, der beide in gewisser Weise auch selbst betrifft; denn es geht um Eltern, deren Kind nicht auffindbar ist, was beide Ermittler gedanklich immer wieder zu ihren eigenen Familienverhältnissen abschweifen lässt.

Überhaupt stehen Familienverhältnisse im Focus der Geschichte. Wie sich Job und Familie oft schwer in Einklang bringen lassen, wie das Verhältnis zu den Lebenspartnern von den Stimmungen und den aktuellen Ereignissen abhängig ist.  Wie gemeinsames Leben keine Selbstverständlichkeit, sondern tägliche Herausforderung ist. Und, ganz zentral: die Kinder.

Der 15-jährige Oscar ist verschwunden, nur ein Zettel mit einem seltsamen Zitat aus Oscar Wildes „Dorian Grey“ wird gefunden. Keine Spur von Oscar, die großräumige Suchaktion bringt kein Ergebnis und auch von möglichen Entführern ist nichts zu hören. Ist es wirklich eine Entführung, oder ist Oscar einfach nur ausgerissen oder hat er sich etwas angetan?

Weil das alles in einem Rückblick auf die Tage vor dem Verschwinden nachzulesen ist, weiß man an Anfang des Romanes selbst schon mehr, wenn auch nichts Konkretes: in einer Müllverbrennungsanlage, der größten in Kopenhagen, tauchen Teile eines Leichnams auf; um wen es sich dabei handelt, auf diese Information muss man aber noch länger warten.

„Homestorys“ dienen in Romanen oft und gerne aus Seitenfüller und sind deshalb gelegentlich für die Story selbst völlig unerheblich. Das ist in „Das Nest“ anders. Denn so wie die Familie den verschwunden Oscar immer mehr in den Focus der Ermittlungen rückt, so leben auch Jeppe Kørner und Anette Werner in schwierigen Zeiten mit ihren jeweiligen Lebenspartnern.

Die drei Erzählungen über diese drei Beziehungsgeflechte offenbaren im Laufe der Handlung ganz unterschiedliche  Wege, wie mit Schwierigkeiten umgegangen werden kann und wie sich daraus ganz unterschiedliche  Zukunftsperspektiven ergeben.

Bemerkenswert, wie in diesen Familiengeschichten rein gar nichts konstruiert wirkt, wie alles erscheint, als würde solches tagtäglich auch in unserer Nachbarschaft geschehen können.

Nicht alltäglich sind jedoch die Erkenntnisse, die die Polizei über Oscars Familie gewinnt. Von Anfang an entsteht der Eindruck, dass die Eltern etwas verschweigen. Und nicht nur die; um alles, was Oscar und sein Leben betrifft, schwebt eine Wolke des Schweigens und Verheimlichens.

Lange Zeit scheint alles in eine bestimmte Richtung zu weisen. Erst eine Wendung, die alle bisherigen Erkenntnisse  in einem neuen Licht erscheinen lässt, bring Kørner und Werner zur richtigen Lösung.

Der Roman wartet nicht mit überhitzter Spannung auf und verzichtet – was ich als sehr positiv empfinde – zur Gänze auf drastische Szenen. Dafür steht in diesem vierten Band der Reihe die Charakterisierung der Figuren im Mittelpunkt und die ist ganz ausgezeichnet gelungen. Es macht das Lesen und Verstehen der Personen jedoch sehr viel einfacher, wenn man schon die ersten drei Romane gelesen hat.

Wie schon ganz oben geschrieben, fügt sich das zu einem Roman zusammen, der leider viel zu schnell zu Ende geht. Damit liegt die Latte für den fünften Teil schon sehr hoch – ich bin gespannt!




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