Buchbesprechung/Rezension:

Ernest Nybørg: Martensen und das wehrlose Wasser

Martensen und das wehrlose Wasser
verfasst am 13.06.2024 | 1 Kommentar

Autorin/Autor: Nybørg, Ernest
Genre: Kriminalromane
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Zuerst ist ein Politiker tot und wenig später ein Journalist. Auf den ersten Blick zwei tragische Unfälle, die nichts miteinander zu tun haben.

Als sich aber bei der Obduktion der beiden Leichen herausstellt, dass beide auf genau dieselbe Weise ums Leben kamen, löst sich die erste Annahme in Luft auf. Zwei Morde, ganz offensichtlich von jemanden begangen, der sehr genau wusste, wie man jemanden ganz ohne Hilfsmittel umbringt. Dazu der Versuch, es jeweils wie einen Unfall aussehen zu lassen.

Allem Anschein nach ist ein Auftragsmörder in Dänemark unterwegs, der ganz gezielt Leute tötet, die dabei sind, die Machenschaften rund um ein riesiges Projekt zur Wasserversorgung aufzudecken.

Wasser als Machtinstrument

Spätestens seit der damalige Verwaltungsratsvorsitzende von Nestlé, Peter Brabeck-Letmathe, gesagt hat, dass Wasser etwas kosten müsse, damit die Leute dessen Wert schätzen, ist allen klar, dass es bei Wasser um Geld und um Einfluss geht. Vielleicht hat sich Ernst Nybørg den in solchen Dingen völlig rücksichtslos und nur auf Gewinn gerichteten Konzern Nestlé das Vorbild für die Organisation genommen, die ein riesiges Projekt zur Versorgung Berlins mit Wasser umsetzen möchte: Wasser aus Dänemark über Pipelines durch halb Nordeuropa in die deutsche Hauptstadt zu transportieren.

Einmal in Betrieb wäre es ein ewig funktionierender Goldesel. Dafür kann man auch über Leichen gehen, Verantwortliche unter Druck setzen und hat dazu noch genug Geld, um willige Helfer für alle Fälle zu finanzieren.

Start einer neuen Krimireihe

Dass “Martensen und das wehrlose Wasser” der Auftakt zu einer neuen Krimireihe sein soll, lässt sich schon an den äußerst umfangreichen Rundherum-Details ablesen. So nimmt der Handlungsbogen nur den kleineren Teil der rund 280 Seiten des Buches ein. Weit umfangreicher sind die Beschreibungen von Land, Leuten, Orten und Begegnungen und die Blicke auf Persönlichkeit der Protagonisten.

Mein Problem dabei: Für den Krimianteil im Buch ist das fast überhaupt nicht relevant, sondern überdeckt im Gegenteil die eigentliche Story. Solche Hintergrundgeschichten gehören natürlich immer dazu, aber in diesem Fall finde ich das alles viel zu viel und leider meist nebensächlich. (z. B. gibt es ein ganzes Kapitel nur um zu beschreiben, wie Martensen vom Bahnhof zu einer Polizeistation kommt). 

Auch über die Person des Hauptkommissars Erik Martensen sind zwar sehr viele Informationen nachzulesen, doch am Ende könnte ich dennoch nicht sagen, was ich vom Hauptdarsteller halten soll; denn trotz allem, was man über ihn als Person liest, bleibt er unpersönlich.

Demgegenüber vermisse ich die Spannung und die Beschreibung einer nachvollziehbaren Ermittlungsarbeit des Kommissars. Denn allzu leicht fallen die passenden Hinweise der Polizei in den Schoß und schon recht früh ist klar, wer im Hintergrund die Fäden zieht.

Zusammengefasst:
Ein an und für sich hochaktuelles Thema, das sich als Inhalt für einen Krimi/Thriller förmlich aufdrängt. Enttäuschenderweise hat die Umsetzung als spannender Krimi aus meiner Sicht nicht geklappt.

Falls es eine Fortsetzung der Reihe gibt, dann würde ich mir aber viel mehr Fokus auf Spannung und Handlung, dafür viel weniger Drumherum wünschen.




Ein Kommentar

  • Gertie sagt:

    Spannend, wie unterschiedlich Meinungen sein können! HIer meine Rezension zu “Martensen”:

    Dieser Krimi beginnt mit einem kurzen Abstecher nach Frankreich, der zunächst in keinem Zusammenhang mit dem Tod eines dänischen Politiker zu stehen scheint.

    Der dänische Hauptkommissar Erik Martensen soll, auf Betreiben seines Vorgesetzten Valby, den Tod des Politikers, der sich als Mord entpuppt, untersuchen. Valby, ein Freund schneller Ermittlungserfolge schießt sich auf die Ehefrau des Politikers ein.

    Als dann noch ein Journalist auf ähnliche Weise wie der Politiker ermordet wird, ist Martensen klar, dass die eifersüchtige Ehefrau nicht dahinter stecken kann. Nun muss er noch Valby davon überzeugen.

    Während die Leser das mögliche Motiv sowie einige Hintergründe, nämlich den geplanten Bau einer Trinkwasser-Pipeline von Dänemark nach Deutschland bereits kennen, muss sich Martensen akribisch in grenzüberschreitenden Ermittlungen auch gegen seinen Chef durchsetzen.

    Nach und nach erfahren sowohl Leser als auch Martensen, warum diese Trinkwasserpipeline gebaut werden soll und wer daran verdienen will:

    Auf Grund des Braunkohleabbaus im Tagebau in der Lausitz wird das dortige Grundwasser abgepumpt. Das Wasser wird in die Spree geleitet, die Berlin mit (mehrfache gefiltertem) Trinkwasser versorgt. Dieser fragile Zustand steht nun auf der Kippe, denn der Braunkohleabbau soll eingestellt werden. Daher fällt das Abpumpen des Grundwasser weg und die Versorgung der Millionenstadt Berlin mit Wasser ist gefährdet. Findige Geschäftsleute sind nun auf die Idee gekommen, sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge aus Dänemark zu importieren.

    „…Wer das Wasser kontrolliert, kontrolliert in Zukunft die Welt…“

    Obwohl das Motiv nun klar ist, sind es die gesamten Zusammenhänge und das Dickicht der unterschiedlichen Interessen noch nicht, mischen doch ein ehemaliger Rotlicht-König samt Gorilla, Abkömmlinge eines verarmten Adelsgeschlechtes und eine Stiftung über die man nichts Genaues weiß, mit.

    Martensen deckt letztlich die Verschwörung, die eigentlich gar keine ist, weil sich die möglichen Geschäfte innerhalb der gesetzlichen Rahmenbedingungen bewegen, auf. Auch der Mörder wird entlarvt, verschwindet aber in den Weiten Frankreichs. Somit ist der Kreis zum Prolog geschlossen.

    Meine Meinung:

    Dieser fesselnde Krimi, der einen realen Hintergrund besitzt, hat mir sehr gut gefallen.

    Denn, um den Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser in ausreichender Menge zur Verfügung stellen zu können, wird immer wieder an Pipelinelösungen gedacht, die eine Umverteilung vornehmen können. In vielen Ländern ist das Wassermanagement in öffentlicher Hand, um Preisdiktate und Erpressung von Privaten zu verhindern. Trotzdem versuchen Firmen hier einzusteigen. Die Idee, die diesem Krimi zu Grunde liegt, nämlich mittels einer Pipeline über die Ostsee dänisches Grundwasser nach Deutschland zu bringen, gibt es tatsächlich. Bekannt ist darüber nur wenig, da man bislang keine echte Lösung präsentieren kann. Eine Umverteilung würde zahlreiche neue Probleme aufwerfen, die der Versorgung mit Erdgas und/oder Erdöl ähneln. Wasser ist eine mehr als kritische Infrastruktur.

    Ich kenne den Autor bereits von anderen Krimis. Der Schreibstil gefällt mir. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet. Der Star des Krimis ist für mich Hallgrimm. Wer das ist? Das müsst ihr selbst lesen.

    Fazit:

    Gerne gebe ich diesem Krimi, der mich trotz des ernsten Themas, bestens unterhalten hat, 5 Sterne.

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