Buchbesprechung/Rezension:

Beate Maly: Aurelia und die letzte Fahrt
Ein Fall für Aurelia von Kolowitz (1)


verfasst am 05.09.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Maly, Beate
LiteraturBlog Bewertung:

Wien, im Jahr 1871. Für die Stadt ist es die Zeit des Umbruches, die Stadtmauern sind verschwunden und an der Ringstraße wird überall gebaut. Es ist also ein auch in historischer Sicht sehr spannendes Umfeld, in dem Beate Maly ihren historischen Krimi spielen lässt.

Es soll (und nachdem ich den Krimi gelesen habe, meine ich: Es wird ganz sicher) eine ganze Krimireihe rund um Aurelia, die Tochter des Grafen Otto von Kolowitz werden; eine junge Frau, die so gar nicht in das Frauenbild der Zeit passt, die in allen Bereichen männerdominiert war. Aurelia ist zum einen die sorgenfrei aufwachsende Tochter eines Mitgliedes des privilegierten Adels, andererseits aber auch ein Freigeist, was sie unter anderem auch mit der Erstellung von Karikaturen zum Zeitgeschehen zum Ausdruck bringt. Natürlich erscheinen diese Karikaturen nicht unter ihrem eigenen Namen, das wäre ein Skandal sondergleichen; sie hat den Namen Fritz Lustig als Pseudonym gewählt.

Ein Verbrechen, das beinahe direkt unter den Augen von Aurelia geschieht, bringt sie ein wenig in Bedrängnis, denn wie soll sie der Polizei glaubhaft erklären, warum sie den Toten gefunden hat? Warum war sie überhaupt unterwegs und woher kam sie? Es muss also zuerst einmal eine kleine Abänderung der Ereignisse erzählt werden, wobei ihr Sebastian Haferl, der Diener ihres Vaters, gerne hilft.

Tatsächlich aber trug sich dieses zu: Aurelia wählte wie so oft den Fiaker ihrer guten Bekannten Frieda Horvath für die Heimfahrt von der Zeitungsredaktion nach Hause. Sie nimmt auf dem Kutschbock Platz, denn im Verschlag, so erzählt Frieda, ist ein Pärchen zugange, Porzellanfahrt nannte man das damals in Wien. Dass es sich dabei das Rendezvous eines Offiziers der Armee des Kaisers und einer Hübschlerin handelt, ist zwar verboten, aber dennoch werden die Kutschen oft und gerne dafür gemietet. In diesem Fall jedoch ist die Sache etwas komplizierter. Am Ziel angekommen stellt sich heraus, dass die Frau verschwunden und der Offizier tot zurückgeblieben ist. Ein kleines Messer steckt in seiner Brust.

Der Fall landet beim jungen Inspektor Janek Pokorny, dem nun Sebastian und Frieda eine abenteuerliche Geschichte auftischen. Leider aber ist der Inspektor schlauer als erhofft und ist umso misstrauischer, als er erkennt, dass man ihm eine verdrehte Wahrheit unterjubeln möchte.

Also muss Aurelia ausrücken, um Frieda vor dem Gefängnis zu retten; die jungen Gräfin macht sich mutig auf, selbst nachzuforschen. Denn so einfach wie es aussieht, kann es nicht gewesen sein – das kleine Messer kann unmöglich Schuld am Tod des Offiziers sein. An der Seite von Aurelia ihr Advokat Nepomuk Hofmeister, der nur sehr widerwillig seiner Klientin und guten Freundin folgt – aber alleine möchte er sie auch nicht in die obskuren Viertel der Stadt gehen lassen.

Es ist der Roman über einen Fall, der sich damals tatsächlich zugetragen hat, was die gesamte Szenerie noch ein Stück glaubhafter macht. Dazu fühlt man sich oft wirklich in die alte Zeit versetzt und erfährt eine ganze Menge über die Lebensumstände zur damaligen Zeit. Ein historischer Roman, der auch wirklich historische Eindrücke vermittelt.

Nicht nur einmal stellte ich mir vor, wie es denn wäre, selbst für ein paar Tage (länger wohl nicht) in diese Vergangenheit zurückzukehren, um alles selbst zu erleben. Das würde mir gefallen. Solange aber Zeitreisen nicht erfunden sind, reicht auch so ein Krimi wie „Aurelia und die letzte Fahrt“, um zumindest ein wenig in das alte Wien einzutauchen.

Dazu stehen mit Aureila, Janek Pokorny und Nepomuk Hofmeister drei ausgesprochen sympathische Charaktere im Mittelpunkt, die man im Laufe des Geschehens gut kennenlernt. Es kann verraten werden, weil man sowieso beim Lesen bald den Eindruck gewinnt, dass die drei ein Dreiecksverhältnis der besonderen Art verbindet.

Dieser erste Roman der Reihe macht wirklich Lust auf die folgenden!




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