Buchbesprechung/Rezension:

Richard Osman: Der Mann, der zweimal starb


verfasst am 24.01.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Osman, Richard
LiteraturBlog Bewertung:

Joyce, Ron, Ibrahim und Elizabeth sind die Mitglieder des Donnerstagsmordclubs in Coopers Chase.

Ein wunderbarer Ort, an dem man viele Menschen gleichen Alters und gleicher Interessen trifft. Es sind schöne Tage voller Unterhaltung und Freude, die alle in Coopers Chase verleben, aber zugleich sind es auch Tage voller Erinnerungen an Dinge aus der Vergangenheit und vor allem an Menschen, die nicht mehr da sind. Unvermeidbar in einer Seniorenresidenz.

Eine solche Erinnerung an einen Verstorbenen wird für Elizabeth, nichts könnte überraschender für sie sein, gegenwärtig, als von eben jenem Verstorbenen ein Brief eintrifft, in dem jener auch noch um ein Treffen bittet. Dabei hatte Elisabeth den Doch-Nicht-Toten ganz persönlich, vor Jahrzehnten war es – als Wasserleiche aus dem Fluss geborgen und ins Leichenschauhaus gebracht und war dabei, als der Sarg im Grab verschwand. Eine dieser alten Geschichten aus ihrer Zeit als Geheimagentin.

Es ist nicht zu viel verraten, wenn dieses kleine Mysterium gleich hier aufgelöst wird: Wer sich da als vermeintlich Auferstandener ausgibt, ist Douglas, einer von Elisabeth Ex-Ehemännern, Geheimagent und in einer verzwickten Lage. Elisabeth soll helfen; und übrigens: damals, das war eine inszenierte Aktion, um Douglas‘ Dahinscheiden vorzutäuschen.

Nicht oft liest man einen Krimi, der sich einerseits so beschaulich anfühlt und der so witzig geschrieben ist, in dem sich im Laufe der Ereignisse dann andererseits doch so viele Leichen türmen. Aber man muss sie einfach mögen, die vier Senioren vom Donnerstagsmordclub und ihre Freunde – die Polizistin Donna und Detective Chris Hudson sind wie im ersten Roman der Reihe wieder dabei. Ja sogar die Ganovinnen und Ganoven sind sympathisch – obwohl man dann doch zustimmen wird, dass die Bösen, die wie abgesehen von ihren Untaten wie ganz normale Menschen wirken, am Ende ihr verdientes Schicksal ereilt.

Amüsant ist es immer und dazu tragen nicht nur die witzigen Dialoge bei, sondern auch die Art, wie Richard Osman seine Hauptdarstellerinnen und Hauptdarsteller charakterisiert. Von allen (und meine wirklich: von allen), die im Roman eine Rolle spielen, hat man schon bald eine sehr genaue Vorstellung, wie sie sind, bekommt ein Bild von ihrem Aussehen und folgt gespannt dem Fortgang des Geschehens.

„Macht aber nichts Illegales“, warnt Chris.
„Definieren Sie illegal“, sagt Ron.
(Zitat S.316)

Wie selbstverständlich zieht auch das internationale Verbrechen in den beschaulichen Ort in der Grafschaft Kent ein. Hätten die Bösewichte vorher gewusst, dass sie es in der Person der ehemaligen Geheimagentin Elisabeth Best, quasi das Superhirn des Donnerstagsmordclubs, mit einer beinahe unbezwingbaren Gegnerin zu tun bekommen, wären sie wohl zu Hause geblieben.

Doch Elisabeth ist nicht alleine dafür zuständig, die Bösen in die Schranken zu weisen: Ron ist begeisterter Hobby-Agent im Außendienst und für die heikleren Missionen zuständig und vor Joyce’s Menschenkenntnis kann sich auf Dauer kein schlechter Charakter verbergen. Nur Ibrahim ist nach einem schlimmen Vorfall, durch den die unerfreuliche Alltagsrealität der 2020er-Jahre auch das Senioren-Quartett trifft, für einige Zeit nicht voll einsatzfähig. Ganz besonders gut gelingt es Richard Osman zu beschreiben, wie die vier Senioren, die nun eben körperlich nicht mehr mit den Jüngeren mithalten können, dieses Manko durch andere Stärken, die man eben nur als älterer Mensch hat, spielend wettmachen.

Das alles wird zusammengehalten durch eine raffiniert gesponnene Handlung, die ihre Leserinnen und Leser immer wieder geschickt in die Irre führt. So gemütlich und so harmlos die Menschen auch sind – je näher das Finale rückt, desto spannender wird es. Nach vielen Überraschungen kommt man zu einem Ende, das sich dann doch wieder ganz logisch ergib – also, wenn man alles schon vorher gewusst hätte :-)

Apropos Finale: einerseits möchte ich natürlich unbedingt wissen, was wirklich passiert ist, andererseits möchte ich noch gar nicht ans Ende des Buches kommen – „Der Mann, der zweimal starb“ ist ein tolles Beispiel für einen Roman, den man vor lauter Vergnügen nicht zur Seite legen möchte.

Zusammengefasst:
Ein raffiniert gesponnener Krimi mit viel Humor und voller Lesespaß von der ersten bis zur letzten Seite; ganz einfach großartige Unterhaltung und unbedingt empfehlenswert!




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