Buchbesprechung/Rezension:

Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub
Die Mordclub-Serie 1


verfasst am 20.07.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Osman, Richard
LiteraturBlog Bewertung:

Die Mitglieder des Donnerstagsmordclubs sind allesamt mindestens 65 Jahre alt. Das ist aber weniger eine Aufnahmebedingung des Clubs, sondern ergibt sich vielmehr aus dem Umstand, dass alle Mitglieder des Clubs Bewohnerinnen und Bewohner von Coopers Chase sind. Das wiederum ist eine Luxus-Seniorenresidenz und man muss eben diese 65 Jahre alt sein, um überhaupt hier einziehen zu dürfen.

Der Club, das sind: Jocye, die ehemalige Krankenschwester, Ron, der ehemalige Gewerkschaftsführer, Ibrahim, früher Psychiater, und Elisabeth, die so etwas wie die Clubobfrau ist; jedenfalls ist sie diejenige, die mit immer neuen Einfällen regelmäßig dafür sorgt, dass der Club stets am Puls des Geschehens bleibt. Quasi adoptiert haben die Vier die junge Polizistin Donna, die sie bei einem Vortrag über Sicherheitsmaßnahme kennengelernt haben. Der Club und Donna: bald gibt es einen Fall, bei dem man sich gegenseitig helfen könnte – einen Mordfall sogar und das Opfer ist der Bauunternehmer, der Coopers Chase errichtet hat.

Das Buch liest sich wie ein entspannter Sonntag-Nachmittag. Unter dem Sonnenschirm, Kaffee oder Eistee, ein paar Kekse, die Füße hochgelagert, ganz gemütlich und – natürlich das Buch.

Das Seniorenquartett, man hat natürlich das eine oder andere Wehwehchen, ist aber ansonsten überaus fit, nützt die Klischees des Alters geschickt aus, um so gut wie immer das Gewünschte zu bekommen. Ob Ron in die Rolle des verwirrten alten Mannes schlüpft, Joyce und Elisabeth sich als leicht verwirrte Kaffeeklatsch-Tanten präsentieren oder Ibrahim mit Endlos-Monologen seine Gesprächspartner zermürbt. Alles ist so liebevoll beschrieben, man möchte die vier auf der Stelle als Großeltern adoptieren.

Es erinnert ein wenig an die Miss Marple-Geschichten, wenn die Hobby-Detektivinnen und – detektive hartnäckig eine Spur verfolgen und dabei auch Wege und Methoden nützen können, die der „richtigen“ Polizei versagt bleiben. Da ist es nicht verwunderlich, dass Donna und Detective Chris Hudson, ihr Vorgesetzter, ganz unverbindlich und nicht sehr offiziell auf die Erkenntnisse des Clubs zurückgreifen. Wenn die beiden wüssten, über welche geheimen Quellen der Club verfügt!

Ach ja, das darf ich natürlich nicht vergessen zu scheiben: Es geht nicht nur um diesen einen Mord, es passiert noch viel mehr in der Seniorenresidenz. Beispielsweise diese Sache mit dem Friedhof des aufgelassenen Klosters, der einem neuen Bauprojekt des Eigentümers der Residenz weichen soll. Dagegen aber haben nicht nur die Senioren etwas, sondern auch ein paar Vertreter der Kirche, an ihrer Spitze Pater Matthew Mackie, die sich um die Seelen der verstorbenen Nonnen sorgen. Denn Ian Ventham, der Eigentümer des ganzen Geländes, hat natürlich nicht vor, die alten Gräber wie amtswegig vorgeschrieben mit der gebotenen Wertschätzung zu verlagern, sondern er will die alten Knochen ganz einfach entsorgen. Und so trifft Frevel auf Habgier – eine Mischung, die so gar nicht nach dem Geschmack des Donnerstagsmordclubs ist.

Und dann, das Schicksal ist oft unbarmherzig gerecht, geschieht ein zweiter Mord. Mindestens.

Wenn es vor allem um die so ganz unterschiedlich beschriebenen betagten Bewohnerinnen der Seniorenresidenz geht, so wird aus dem Roman auch noch ein ansprechender Krimi, der  mit überraschenden Wendungen ein kurzweiliges und humorvolles Lesevergnügen bietet.

Zwischen dem Club und den Polizistinnen entwickelt sich so etwas wie Freundschaft; ganz ähnlich wie es – ich nehme es an – auch den meisten Leserinnen und Leser dieses Buches gehen wird. Man schließt Freundschaft mit den dynamischen älteren Herrschaften und freut sich mit ihnen, wenn wieder einmal ein Schachzug zum Erfolg führt. Davon wird es bald mehr geben, der zweite Mordclub-Roman erscheint in Kürze




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