Buchbesprechung/Rezension:

Richard Osman: Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt

Der Donnerstagsmordclub
verfasst am 07.12.2023 | einen Kommentar hinterlassen

AutorIn & Genre: Kriminalromane, Osman, Richard
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Joyce, Elisabeth, Ron und Ibrahim. Am Tisch sitzt auch Mervyn, der erst seit ein paar Monaten in der Seniorenresidenz Coopers Chase wohnt. Den könnte man doch dazu einladen, meinte Joyce, der Mann hat ja noch gar keine Kontakte gefunden, seit er hier lebt.

Es ist Weihnachten, die Zeit des Friedens, gegen den der Donnerstagsmordclub auch nichts hätte, doch die Welt richtet sich nicht nach den Wünschen der Senioren. Es tritt, ganz im Gegenteil, etwas sehr Schlimmes ein: Kuldesh Sharmar, Antiquitätenhändler und ein Freund von Elisabeth und ihrem Mann Stephen wird ermordet.

Bevor diese Tat aber überhaupt bekannt wird, müssen sich die vier Mitglieder des Donnerstagsmordclubs  noch um Mervyn kümmern. Der ist nämlich, für alle ist das ganz klar, außer für Mervyn, auf einen Lovescam hereingefallen und hat seiner angeblichen Freundin in Litauen auch schon tausende Pfund für diverse Notlagen überwiesen. Gesehen hat er diese Tatiana noch nie, ist aber von ihrer aufrichtigen Liebe zu ihm zutiefst überzeugt. Die vier haben keine Chance, Mervyn umzustimmen, obwohl ihm die Polizistin Donna auch versucht, ihm zu erklären, was los ist …

Silvester geht vorüber, es scheint also, dass das an Aufregungen nicht arme Jahr ganz ohne Mord zu Ende geht. Jetzt bleibt zu hoffen, dass auch das neue Jahr ohne Mord abläuft. Wir wissen es aber schon: leider, so wird es nicht sein. Aber für die Senioren fängt alles erst am Neujahrstag an, als nämlich die Leiche von Kuldesh im Wald gefunden wird, eine Kugel hat sein Leben beendet.

Der Mord an Kuldesh wirkt alles in allem genau so, wie man es auch von einer Auseinandersetzung im Milieu der Drogendealer erwarten würde. Das wiederum ruft die nächsthöhere Polizeibehörde auf den Plan und schon ist die örtliche Polizei – namentlich Chris und Donna, man kennt sie aus den früheren Büchern – von dem Fall abgezogen. Sollen sich die Dorfpolizisten doch um Taschendiebe und verschwunden Pferde kümmern. 

Da trifft es sich gut, dass sich die Senioren schon eingearbeitet haben, und natürlich schon weitaus mehr wissen als die Polizei. Weil Chris und Donna plötzlich keinen Fall mehr haben, andererseits es aber auch nicht auf sich sitzen lassen wollen, dass irgendeine wichtigtuerische Oberpolizistin alles an sich reißt, bietet sich jetzt eine Kooperation mit dem Mordclub an; das ist doch logisch, oder?

Rein zufällig passiert es dann, dass das Quartett bei Kulesch’ Begräbnis die Bekanntschaft eines Herren macht, der in andere nicht so ganz legale Geschäfte verwickelt ist. Warum dieser Herr die Feier besucht? Niemand weiß es.

Beim Lesen bin ich zunächst einmal vor allem damit beschäftigt, den verschiedenen Fährten zu folgen und die verschiedenen Schauplätze im Auge zu behalten, an die die Story führt. Eine recht verwirrend gesponnene Handlung entwickelt sich, bewundernswert, dass die betagten Herrschaften da den Überblick haben; die Polizei jedenfalls hat ihn ganz und gar nicht.

Alles ist durchzogen von unglaublich lustigen Szenen und Dialogen, man kann sich das alles so richtig vor dem geistigen Auge vorstellen und sich bestens dabei amüsieren.

Richard Osman baut gelegentlich richtige “Sickerwitze” ein. Mir ist es nicht nur ein Mal passiert, dass ich erst ein paar Absätze später lachen musste, weil sowas eben ein bisserl dauert :-).

Osman vereint beides in diesem Buch: die wirklich witzigen Szenen, wenn die vier Senioren des Clubs sehr ungestüm ihrem Hobby als Privatdetektive nachgehen; und die berührenden Szenen, wenn es darum geht, wie Menschen mit dem Älterwerden unweigerlich von ihrer Kraft verlieren und wenn jeder einzelne Tag, der kommt, wichtig ist.

Das gelingt ihm, so mein Gefühl, in diesem vierten Band der Reihe noch viel besser, viel einfühlsamer als in den ersten drei. Denn Osman schreibt nicht nur über das, womit sich Elisabeth und ihre „Rentnergang“ die Zeit vertreiben, sondern auch über die Schattenseiten des Älterwerdens. Er tut das sehr behutsam, spart aber nicht aus, dass zum Altern auch Trauer und Verluste gehören.

Wenn ich zu diesem insgesamt wunderbaren Roman eine nicht ganz so positive Anmerkung habe, dann jene, dass sich die Damen und Herren manchmal ein wenig zu sehr verplaudern. Aber das gehört ja auch in gewisser Wiese dazu …




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