Buchbesprechung/Rezension:

Jad Turjman: Der Geruch der Seele
Eine Liebesgeschichte in Zeiten von Krieg und Revolution


verfasst am 04.09.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Romane, Turjman, Jad
LiteraturBlog Bewertung:

Über den Autor:
Jad Turjman wurde 1989 in Damaskus geboren. Als er 2014 seinen Einberufungsbefehl erhielt, entschied er sich zur Flucht, da er Konflikte nicht der Waffe lösen wollte.

Er schreibt über sich auf seiner Homepage: „Ja, ich bin der Flüchtling, kennst du mich nicht? Ich bin sehr berühmt. Ich bin für den Aufstieg der Rechtsextremen in Europa verantwortlich. Ich zahle tagtäglich die Rechnung für die Waffenindustrie, um sie am Leben zu halten.
Ich bin der Kompass in den Reden so mancher Politiker, vom Anfang bis zum Ende. Denn für sie bin ich gefährlicher als der Klimawandel, Umweltverschmutzung, Drogenkonsum oder Altersarmut.
Ich bin der Gesichtslose, der sich schuldig fühlt, wenn ein anderer Gesichtsloser einen Fehler macht. Ich bin der Gesichtslose, der sich bedroht fühlt von den Berichten der Medien, wenn die Gesichtslosen erwähnt werden.

Jetzt lebt Jan Turjman in Salzburg. Er schreibt Bücher und erzählt bei seinen unzähligen Auftritten von seinen Erlebnissen durch seine Fluchtgeschichte. Als Stand-up-Comedian tritt er mit seinem Soloprogramm „Der Flüchtling Ihres Vertrauens“ auf.

Über das Buch:
„Der Geruch der Seele“ ist eine Liebesgeschichte in Zeiten von Krieg und Revolution und sie spielt in Damaskus im Jahre 2010.

Es war spannend in das Leben in Syrien einzutauchen und den Alltag dort kennen zu lernen. Einerseits die vielen Ähnlichkeiten mit unserem Leben in Europa wahrzunehmen, wie zum Beispiel Streitereien zwischen Sohn und Mutter, dann aber auch Verhaltensweisen, die für uns komplett fremd sind. Als Beispiel nenne ich die Szene, wie der Direktor der Schule beim morgendlichen Appell im Schulhof über die Herrlichkeit und Glorie des ewigen Führers und seiner Partei spricht. Oder die Tatsache, dass den Schülern bei jedem Versäumnis von ihrem Lehrer mit einem Holzstock gnadenlos auf die Hände geschlagen wird.

Das sind auch die Gründe dafür, warum Tarek oft die Schule schwänzt und die freie Zeit lieber mit Büchern und Lesen verbringt. Sein Lieblingsbuch ist „Die Verwandlung“ von Franz Kafka, mit deren Hauptfigur er sich stark identifiziert.

Tarek ist Sunnit und in die Alawitin Sanaa verliebt. Die Gegensätze zwischen ihren Religionen sind so groß, dass es für ihn einfacher wäre, eine Christin zu heiraten, obwohl sowohl Alawiten als auch Sunniten islamische Glaubensrichtungen sind. Deshalb trifft er seine Freundin heimlich. Diese Treffen haben ein jähes Ende als Tarek eingezogen wird und beim Militär in Schmuggel und Gewalt verwickelt wird. Da er so nicht leben möchte, flüchtet er von Syrien nach Europa. Seine Freundin, die ihm folgen möchte, wird bei ihrer Flucht vom IS verschleppt und gefangen genommen. Ihre Erlebnisse in den Kerkern des IS beruhen auf authentischen Erlebnissen.

Es ist spannend, in diese fremde Welt einzutauchen, vor allem, weil einem beim Lesen immer klar ist, dass das Buch ein Syrer, also jemand, der dieses Land und das Leben dort kennt, geschrieben hat. Das merkt man an den Dialogen und auch an seiner Sprache. Jan Turjman schreibt auf Deutsch und das recht gut, aber eben anders. Das machte das Lesen für mich besonders interessant.

Eines sei noch gesagt: Das Buch hat ein Happy End und darüber war ich froh.




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