Ben Rhodes: Im Weißen Haus
Die Jahre mit Barack Obama

verfasst am 01.03.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Rhodes, Ben, Zeitgeschichte

Abgesehen vom Inhalt dieses Buches, das an vielen Stellen erklärt, wie die Amtszeit von Barack Obama verlief, gibt es zwei bleibende Eindrücke, die mich wirklich zutiefst betrüben:

  1. Dass nach einem Mann wie Barack Obama, der mit Intellekt und ausgleichendem Handeln viel versuchte, die politischen, sozialen und menschlichen Baustellen der Welt zu einem guten Ende zu bringen, ein Möchtegern-Despot wie Trump Präsident werden konnte (wenn er auch nicht die Mehrheit der Wählerstimmen errang – bei uns hätte er die Wahl also nicht gewonnen)
  2. Wie eine ganze Partei, nämlich die US-Republikaner, ein Land in Geiselhaft nahm, und auf der Klaviatur von Rassismus und Lügen spielte, nur um einen Nicht-weißen Präsidenten zu diffamieren und dessen Arbeit zu torpedieren.

Obama hat viel von dem, was auf seiner Agenda stand, nicht umgesetzt. In den ersten Jahren seiner Präsidenthaft prägte vorsichtiges Agieren sein Handel, nur um ja nicht den Rassisten und extremen Rechten Munition für weitere Attacken und Verschwörungstheorien zu liefern. Erst in den letzten beiden Jahren, als bis zum Ende seiner Amtszeit keine Wahlen mehr zu schlagen waren, wurde er offensiver und konnte doch noch einiges bewegen.

(und der jetzige „Präsident“ Trump sieht seine Lebensaufgabe offensichtlich primär darin, selbst das wieder umzukehren)

Geprägt war diese Amtszeit aber vor allem durch eine noch nie dagewesene destruktive Politik der Republikaner, die bei beinahe allen Vorhaben der Regierung Obama blockierten.

Ben Rhodes war seit Beginn des Wahlkampfes 2007 im Team von Obama und wurde im Laufe der 8-jährigen Amtszeit ein immer engerer Mitarbeiter. Mit dem Buch „Im Weißen Haus“ liefert er zwar keine neuen Erkenntnisse oder enthüllt bislang unbekanntes, aber er erklärt anhand vieler Beispiele die Prozesse, die einer Entscheidung vorangingen. Wie Obama immer wieder mit rein rassistisch motivierten Anwürfen konfontiert wurde, wie eine ehemals staatstragende Partei wie die Republikaner immer mehr zum ausführenden Organ von rückwärts gewandten Demagogen wurde.

Sehr bezeichnend ist der Umstand, dass eben diese Republikanische Partei, die alle Fehlentscheidungen des Präsidenten George W. Bush unterstützte und damit für eine Vielzahl der Probleme verantwortlich ist, die uns auch heute noch beschäftigen (Islamistische Extremisten, Taliban, Finanzkrise, etc. ) Obama regelmäßig sein Handeln in der Bewältigung eben dieser Krisen vorwarf.

Ben Rhodes liefert zwar keine sensationellen Neuigkeiten aus dem Weissen Haus oder über die Regierungsarbeit, aber er bestätigt in seinem Buch viele der Eindrücke, die man während Obamas Amtszeit gewinnen konnte: die USA vergaben leichtwertig und fahrlässig die Chance, sich die Fähigkeiten Obamas als Präsident nutzbar zu machen und das Land nach vorne zu bringen.

Rhodes beschreibt an vielen Stellen, wie reiner Eigennutz der Republikaner und eine durchgehende Anti-Obama Kampagne der extremen Rechten dies unterband. Ganz klar sind dabei seine Verbitterung und sein Ärger darüber zu spüren (bei der Schilderung der Vorgänge holt er oftmals sehr gerne weit aus).

Obama war einerseits der erste Präsident, der die klassischen Medien und das Internet so umfassend für seine Wahlkampagne nützte; er war aber auch der erste Präsident, der sich sowohl in den klassischen Medien (Fox Network, als abstoßendstes Beispiel dafür) als auch im Internet mit einer so durchgehenden, üblen und hasserfüllten Kampagne auseinandersetzen musste.

Um das Buch richtig einzuordnen, muss man aber den Untertitel so lesen wie er da steht: „Die Jahre MIT Barack Obama “ und nicht „Die Jahre DES Barack Obama“. Dieses Buch ist also ein Tagebuch eines sehr engen Mitarbeiters über dessen eigenes Erleben in den acht Jahren. Es ist kein Porträt Obamas; und es liefert auch keine weitergehendes Informationen über Hintergründe oder Wege der Entscheidungen; es liefert aber eine ganze Menge zusätzlicher Eindrücke rund um das, was wir schon wussten und das, was wir aus Medeenberichten erfahren konnten. 

Eines ist dieses Buch für mich jedenfalls: es bringt mir einige sehr bewegende Momente in Erinnerung, vieles, das ich gar nicht mehr präsent hatte und vieles, das zu Beginn so vielversprechend zu sein schien. Für mich persönlich also auch von sehr hohem Erinnerungswert an eine Zeit, die heute so unglaublich weit weg zu sein scheint; obwohl nur wenig mehr als 2 Jahre vergangen sind.

Wie schon zu Beginn geschrieben: betrübliche Eindrücke und ein bitterer Nachgeschmack bleiben von der Amtszeit eines Präsidenten, der über ein mit Nelson Mandela vergleichbares Charisma und einen überragenden Intellekt verfügt, der aber viel zu oft an den „Alten Weißen Männern“ scheiterte, denen es ausschließlich um Machterhalt und Beibehaltung der vermeintlichen Herrschaft des weißen Mannes geht …

PS: Aber die Hoffnung bleibt, dass schon nächstes Jahr wieder ein Präsident/eine Präsidentin gewählt wird, die – nach vier Jahren historischem Tiefpunkt mit Trump – diesem Amt gerecht wird.



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