Bernard von Brentano : Der Beginn der Barbarei in Deutschland

verfasst am 07.01.2020 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Geschichte, von Brentano, Bernard

Kein Buch zum Lesen, im eigentlichen Sinne. Bernard von Betrano bewertete die Lage in Deutschland zu Beginn der 1930er Jahre aus einer marxistisch-leninistischen Sicht in einem Buch, das vielmehr eine Bestandsaufnahme darstellt.

Das bringt ihn einerseits zu sehr klaren Einsichten, was die Ursachen von Arbeitslosigkeit, Armut und der daraus ansteigenden Gewaltbereitschaft sind. Seine sehr extrem linke Ansicht verwehrt im aber zugleich auch einen objektiven Blick auf alles, was nicht kommunistisch ist – womit er die wirklichen Gefahren nicht einmal im Ansatz erkennt, obwohl diese zu jener Zeit für einen intellektuellen Geist, wie Bernard von Brentano es war, bereits zu erkennen gewesen sein mussten.

Brentano listet akribisch die unsozialen Zustände auf, wie das Primat des Kapitals ohne Zurückhaltung das Heer der Arbeiter ausbeutet. In diesem Teilen ist das Buch eine Sozialchronik der Weimarer Republik. Ein Aspekt dabei ist, und damit lässt sich eine unheimlich zu nennende Parallele zur Gegenwart erkennen, wie die Exekutive und die Legislative des Staates auf dem rechten Auge blind ist. Das hat damals zur Kattastrophe geführt und ist heute noch immer/schon wieder Gegenstand kritischer Betrachtung von Teilen von Bundesheer, Polizei und Justiz.

Seine historischen Fehler macht Brentano in zwei Bereichen: dem Bejubeln von angeblichen Erfolgen in der Sowjetunion von Josef Stalin und in der völlig falschen Einschätzung der Nationalsozialisten unter der Führung von Hitler; diese stuft er als bürgerliche Partei ein, die einfach eine extrem kapitalfreundliche Position vertritt.

Ein durchaus interessantes Zeitdokument, dessen Titel man aber nicht falsch verstehen darf. Gemeint ist mit dem „Beginn der Barbarei“ nämlich nicht der Aufstieg der Nazis sondern die Unterdrückung der Arbeiter durch die Unternehmer, der unbedingte Vorrang von Privateigentum gegenüber der Unversehrtheit und dem Wohlergehen der Menschen, die über kein Eigentum verfügen.

Insgesamt sollte man dieses Buch jedenfalls mit kritischem Blick lesen.



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