Edith Kneifl: Tatzeit Weihnachten

Für die einen ist Weihnachten die schönste Zeit des Jahres, für die anderen sind es Tage, die möglichst schnell vorüber gehen sollten.

Für (ängstliche) LeserInnen dieses Buches könnte das Weihnachtsfest ab sofort noch etwas ganz anderes werden: ein Fest, an dem man wachsam bleiben soll, denn man könnte durchaus in Gefahr laufen, ein paar schlimme Erfahrungen zu machen; falls man es überhaupt überlebt.

Aber alles halb so schlimm: es sind ja nur Geschichten; zwar abseits von Weihnachtsromatik und Zimtsternen, aber die Erfahrung zeigt uns ja, dass die meisten Menschen die Feiertage recht gut überstehen (abgesehen vielleicht vom schlechten Gewissen, nach den ganzen Weihnachts-Schlemmereien).

Nicht ganz so gut überstehen es viele der Protagonisten in diesen 13 Kurzgeschichten. Man kann nun diese kleinen Krimis einfach zwischendurch lesen, oder – viel besser! – am Weihnachtsabend daraus vorlesen. Statt dieser ewigen Krippengeschichten, die alle schon oft genug gehört haben, könnte doch diesmal eine Krimilesung auf dem Programm stehen.

Die Geschenke sind ausgepackt, das Familienessen ist ohne grobe Magenverstimmungen vorüber gegangen und nun sitzen alle gemütlich herum und kämpfen mit dem Schlaf. Genau der Moment, um eine Weihnachts-CD einzulegen, das Buch zur Hand zu nehmen (das man vielleicht sogar soeben erst geschenkt bekommen hat) und die liebe Familie mit einer Krimilesung vom Schlaf abzuhalten. Falls Kinder anwesend sind, sollte man beim Lesen etwas aufpassen, denn hin und wieder ist das zu Lesende nicht ganz jugendfrei.

Während also die Kerzen brennen und im Hintergrund die ganze Weihnachts-Hitparade von „Last Christmas“ bis „White Christmas“ läuft, gibt es schauriges, absonderliches und kriminelles zu hören: wie gefährlich es in anderen Familien sein kann, Weihnachten zu feiern; was sich so unter dem Kostüm eines Weihnachtsmannes verbergen kann; wie gut es doch ist, nicht der Kälte entflohen und in den warmen Süden gereist zu sein; was für eine gute Gelegenheit dieses Weihnachtsfest doch ist, alte Rechnungen zu begleichen;  wie manches kleine Geschenk den Beschenkten so gar nicht gut bekommt; wie manche Leute die Feiertage ganz und gar nicht als friedliche Zeit verstehen; wie es jemandem ergeht, der ausgerechnet zu Weihnachten in einem Hotelzimmer in einer fremden Stadt übernachten muss und noch vieles, das man sich selbst nicht fürs Fest wünscht.

„… Jingle Bells, Jingle Bells …“

Geschichten für und über ein Weihnachtsfest, das überhaupt nicht so idyllisch abläuft, wie man es in der Werbung gerne zeigt :-)

PS: Edith Kneifel hat für dieses Buch einige bereits in den Jahren 1993-2016 erschienene Kurzgeschichten aufgefrischt. Fünf der 13 Geschichten sind aber ganz neu.



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