Alexander Lernet-Holenia: Ich war Jack Mortimer

verfasst am 23.11.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Lernet-Holenia, Alexander, Romane

Dem Titel nach könnte er von Agatha Christie oder Arthus Conan Doyle sein; aber es ist Alexander Lernet-Holenia, der im Jahr 1933 diesen beinahe wahnwitzig zu nennenden Krimi schrieb. Wahnwitzig, ein bisschen verrückt und sehr temporeich!

Ferdinand Sponer ist Mietwagenfahrer (Taxler, würde man heute sagen) und kommt folgerichtig viel in Wien herum. Seine Fahrgäste sind so unterschiedlich, wie Menschen aus aller Herren Welt  nur sein können.

Da passieren Sponder in kurzem Abstand zwei Dinge: zuerst steigt eine junge Frau in seinen Wagen, die er in die Prinz-Eugen-Straße bringen soll. Durch die Trennscheibe ist es schwer, einen genauen Blick auf sie zu werfen, aber das Wenige, das er sieht, genügt vollends für ihn, um sich augenblicklich in die Unbekannte zu verlieben.

Später lädt am Bahnhof ein Gepäckträger einige Koffer in Sponers Wagen und dazu steigt ein Mann in den Fond. Wiederum lässt sich nur schwer das Äußere des Gastes erkennen, der ins Hotel Bristol chauffiert werden möchte. Dort aber kommt Sponer zunächst nicht an: denn kurz vor dem Fahrziel entdeckt er, dass sein Fahrgast erschossen auf der Rückbank sitzt. Erschossen, ermordet und Sponer hat rein gar nicht gemerkt, wie das geschehen ist.

Ab diesem Punkt steigert sich die Rasanz des Romanes bis hin zu einem Feuerwerk an originellen Ideen und unerwarteten Wendungen.

Denn Sponer muss befürchten, für den Mörder gehalten zu werden und entwickelt einen Plan nach dem anderen, um ja nicht in Verdacht zu geraten. Man könnte seine Wege durch die Stadt ganz genau auf einem Stadtplan verzeichnen – kreuz und quer führt Sponers wilde Irrfahrt quer durch Wien. Zugleich geht so ziemlich alles schief, was er sich als perfekte Lösung seines Problems ausgedacht hat.

Amüsant, überraschend und auch als Blick zurück ins Wien der 1930er-Jahre sehr empfehlenswert!


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