Pittler, Andreas: Mischpoche

David Bronstein, der äußerst sympathische Ermittler bei der Wiener Polizeiabteilung „Leib und Leben“, spätere Mordkommission, ermittelt in unterschiedlichen Kriminalfällen in der österreichischen Zwischenkriegszeit.

Er ist ein loyaler Staatsdiener, doch manchmal werden bei der Aufklärung von Verbrechen persönliche Ambivalenzen erkennbar, die ihn hin und herreißen zwischen Loyalität und „ich möchte mich am nächsten Tag noch in den Spiegel schauen können“. In vierzehn kurz erzählten Krimiepisoden geht Major Bronstein so manchem politisch und sozial relevanten österreichischen Verbrechen auf die Spur.

Ein politisches Komplott im Jahr 1933 – angeführt von Graf Starhemberg persönlich – führt David Bronstein sogar bis Udine und die Österreichischen Eisenbahner in einen Streik.

Warum ein Mord in Ödenburg – heutiges Sopron – plötzlich in Österreich ungesühnt bleibt weil es die österreichische Polizei nicht mehr zu tangieren hat?

Eine grausliche Angelegenheit erlebt der Major kurz nach seinem 40. Geburtstag. Ein Anruf des Jugendgerichtes lässt ihn in einer äußerst pikanten Geschichte seine Ermittlungstätigkeit aufnehmen. Junge Mädchen erleben Bestrafungen, die der damaligen „Zucht und Ordnung“ keinesfalls gleichkamen, penetrieren doch angesehene Wiener während der körperlichen Züchtigung mit der Peitsche.

Witzig ist die Geschichte, als die Nullnummer Adolf Hitler von den Bayern nach Österreich abgeschoben werden soll. Österreich will diesen Komiker keinesfalls in ihrem Land wissen. Das Problem löst sich aufgrund eines Gesetzes ganz von selbst, hat Adolf doch mal in der Bayrischen Armee gedient und damit automatisch seine österreichische Staatsbürgerschaft zur Aberkennung freigegeben.

Und was ist ein Mulatsag? Dabei denke ich gleich an den Song Mulatschag der Wiener Band Drahdiwaberl  :o)

Das Buch liest sich wie Geschichteunterricht! Und das äußerst spannend und lehrreich zugleich!!

Wieder ein tolles Buch für die Pittler Fan-Gemeinde. Allerdings hätte ich ohne vorherige Kenntnis der genialen Bücher Ezzes, Chuzpe ua. nicht so schnell in diese, doch relativ kurzen Krimiplots, einsteigen können, ohne mich so köstlich zu amüsieren.



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