Luca D'Andrea: Der Tod so kalt

verfasst am 14.07.2017 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: D'Andrea, Luca, Thriller

Zwischen Kriminalroman, Heimatroman und Mysterien-Thriller: der Autor Luca D’Andrea liefert seinen Erstling ab und der hat es gleich in sich. Ein Geheimnis, das seit 30 Jahren die Seelen vieler gefangen hält, das Leben gekostet hat und das in der Gegenwart sich erneut anschickt, Unheil zu bringen.

Jeremiah Salinger folgt seinem Herzen und seiner Liebe ins den kleinen Südtiroler Ort Siebenhoch. „Salinger“ wie er knapp von allen genannt wird ist Autor, seine Erfolge feierte er bisher mit den Drehbücher zu Reality-Dokumentationen. Und es stellt sich bald heraus, dass seine Entscheidung, mit seiner Familie in Siebenhoch zu leben, schicksalhaft ist.

Seinem Instinkt folgend, dem, der ihn punktgenau zu Geschichten leitet, hinter denen eine weitere noch unerzählte, unbekannte Geschichte steht, gerät er erst unmerklich, dann immer schneller in einen Wirbel aus Wahrheiten, Gerüchten, falschen und richtigen Spuren.

Es liest sich dabei oft wie ein Roman über diese kleinen Dorfgemeinschaften, die schicksalhaft seit schier ewigen Zeit aneinander gebunden sind. Denn das ist es letztendlich auch: ein Verbrechen, das seit 30 Jahren nicht aufgeklärt wurde ist umspannt die Menschen im Dorf wie eine unsichtbare aber stets präsente Fessel.

Es fällt den Touristen nicht auf, die zu 1000den den Ort und die geheimnsivolle Bletterbach-Schlucht mit dem Touristenzentrum besuchen. Erst diejenigen, die länger bleiben, werden erkennen, dass es hinter dem Sichtbaren noch etwas anderes gibt.

Salinger wird zwar niemals einer der Dörfler sein können, das kann nur einer sein, der hier geboren wurde oder dessen Familien von hier stammt. Doch er ist Werner Mairs Schwiegersohn und damit wenigstens zum Teil ein nicht mehr ganz Außenstehender.

Die Bletterbach-Schlucht gibt es wirklich, den Ort und die Menschen und das Verbrechen nicht. Aus dieser Mischung von Realem und Erfundenem entwickelt sich ein Thriller, der nicht nur an vielen Genres anstreift, sondern aus dieser Vermengung auch eine wirklich fesselnde Story entwickelt.

Luca D’Andrea legt Spuren, die ins Nichts führen, gibt Hinweise, deren Sinn man erst im weiteren Verlauf entdeckt, baut Wendungen ein, die sich am Ende als folgerichtig erweisen. Ich hatte nie das Gefühl, dass da oder dort ein „Deus ex Machina“ eingebaut wäre, nur um die Handlung in eine gewünschte Richtung zu lenken – es ergibt sich einfach und es passt so.

Ein wirklich sehr spannender, sehr durchdacht geschriebener Thriller, dessen 480 Seiten sich wie im Fluge umblättern!



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