Luca D'Andrea: Das Böse, es bleibt

verfasst am 26.02.2018 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: D'Andrea, Luca, Thriller

Marlene verlässt ihren Mann. In einer Welt, in der es nichts Böses gibt, wäre das keine erwähnenswerte Sache. In der Welt von Herrn Wegener – des verlassenen Ehemannes – verlässt ihn keine Frau. Sie nimmt nichts aus dem Safe mit, sie hintergeht ihren Mann nicht. In dieser Welt von Herrn Wegener muss die Ehefrau, die ihn verlässt, sterben.

Marlene weiß, dass sie ihre Spuren verwischen muss, um zu überleben. Alles ist vorbereitet, der Ablauf ihrer Flucht genau geplant. Und doch ist der Zeitpunkt schlecht gewählt, denn es ist Winter und im dichter werdenden Schneefall kommt Marlene vom richtigen Weg ab. Immer tiefer führt sie eine schneeverwehte Straße in die Berge und am Ende verliert sie die Kontrolle.

Wegeners Entschluss, seine Frau zu töten hat zwei Gründe: der eine ist sein brutaler Charakter, in dem es keinen Platz für Verräter gibt. Der andere ist das Konsortium. Denn obwohl Wegener in Südtirol viel lukrative Geschäftszweige beherrscht, so steht doch im Hintergrund eine noch viel größerer Organisation, die Schwäche und Nachlässigkeit bei ihren Mitgliedern nicht dulden kann.

Ein düsterer, ein dunkler Thriller

Ein einsames, tief verschneites Tal wird zum Schauplatz, in dem sich Marlenes Schicksal entscheidet. Ein alter Mann, ein wahrer Hüne, rettet sie aus dem Wrack ihres Wagens und sorgt für sie in seiner Hütte, dem Erbhof. Der alte Mann, Simon, und seine Schweine sind die einzigen Lebewesen weit und breit.

Während sich in Wegeners Auftrag ein Killer auf die Jagd macht, scheint sich für Marlene in der Einsamkeit der Berge und in der Obhut des seltsamen Mannes alles für ein gutes Ende zusammenzufinden.

Die Spannung des Buches steigert sich langsam, kontinuierlich; wie bei einem Auto, das man mit nur ganz wenig Druck im Gasfuß immer weiter beschleunigt. Man spürt es nicht, aber irgendann rast alles unglaublich schnell vorbei. Zur Hälfte der Fahrtstrecke (des Buches) ist dann die Spitze erreicht und ab jetzt muss man einfach nur versuchen, mit dem Tempo der Handlung Schritt zu halten, denn bis zum Ende wird nicht mehr gebremst.

Jetzt werden Andeutungen und Fragmente klar, die man zu Beginn gelesen hatte, ohne sie einordnen zu können. Jetzt fügt sich alles zusammen. Was dabei besonders fesselt ist, wie es Luca D’Andrea vermag, das Innerste seiner Protagonisten zu offenbaren: das Böse.

Ein düsteres Szenario, in dem die Berge unheimlich und unzugängig sind, in dem es über viele Generationen überlieferte Traditionen gibt, in dem die Einsamkeit aus jungen Männern unheimliche Monster machen kann.

Ein Thriller, der mich wirklich in seinen Bann gezogen hat. So surreal manches erscheint, so real könnte alles doch sein und genau das macht den Gänsehaut-Faktor des Buches aus.


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