Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Der Mann, der sich in Luft auflöste
Ein Kommissar-Beck-Roman

24 Stunden dauert Martin Becks Urlaub. Dann sitzt er, anstatt mit seiner Familie in einem Sommerhaus am Meer, in einem Flugzeug nach Budapest.  Den Fall hat er freiwillig übernommen, weil sich dabei seine Polizisten-Seele angesprochen fühlte: ein Journalist ist in Budapest verschwunden und nun droht dessen Chefredakteur mit der Veröffentlichung einer nicht näher bestimmten aber für die Politik unangenehmen Geschichte, falls nicht alles unternommen wird, den Mann zu finden.

So kam Martin Beck ins Spiel, als ihn sein eigener Chef aus dem Urlaub zurück holt und ihn ins Innenministerium schickt um dort über einen heiklen Fall informiert zu werden. Beck reist – „Der Mann, der sich in Luft auflöste“ stammt aus dem Jahr 1969 – hinter den Eisernen Vorhang in ein Land, das, zumindest in diesem Buch, nicht so verschieden vom Schweden ist, wie man meinen möchte.

Band 2 der Martin-Beck-Reihe führt über die Grenzen Schwedens hinaus, bleibt aber thematisch, stilistisch und inhaltlich immer zu Hause. Einen Unterschied zwischen Schweden und Ungarn wird man nicht erkennen und das nicht nur, weil Beck in Budapest auf einige Beteiligte trifft, die aus dem Westen stammen. Der Ausflug durch halb Europa findet wenig Niederschlag in der Handlung und in der Erzählung, Beck könnte sich auch nach Berlin, Wien oder Brüssel oder irgendwo anders in Europa begeben haben, so unbestimmt und unspezifisch bleibt die Schilderung von Land und Menschen.

Sehr bestimmt ist dagegen die Schilderung der Details. Akribisch beschreiben Sjöwall & Wahlöö Orte und Personen. So detailliert, dass der Krimi teilweise den Eindruck eines (virtuell) bebilderten Romanes macht; man sieht förmlich alles vor sich, was die beiden beschreiben.

Mit der Krimihandlung hatte ich ein kleines Problem: da ist einerseits der Sog, den die Geschichte entwickelt und der für eine ordentliche Spannung sorgt. Andererseits stolperte ich immer wieder über in die Handlung eingebaute Zufälle und – aus meiner Sicht – viel zu unrealistische Wendungen um wirklich begeistert zu sein.

Insgesamt ein typischer „Urlaubsroman“ – als solcher allerdings ist er eine gute Wahl.


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