Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Und die Großen lässt man laufen
Ein Kommissar-Beck-Roman, Band 6

Schweden im Sommer 1969: das ganze Land ist im Sommermodus und stöhnt unter der Hitze. Wer kann, nimmt Urlaub, flieht aus der stickigen Luft der Städte. So sind stapeln sich vor den  wenigen, die bei der Polizei nicht gerade auf Urlaub sind, die Fälle, denn die kleinen und großen Verbrecher machen nie Urlaub.

Der Mord an einem einflußreichen Unternehmer in Malmö kommt somit wirklich zu unrechten Zeit. Viktor Palmgren leitete einen Konzern, der sich in Schweden mit so legalen Dingen wie dem Handel mit Heringen und dem Verwalten von Immobilien beschäftigt. Seine Aktivitäten außerhalb des Landes sind hingegen anscheinend weniger legal, jedenfalls nicht sehr transparent. Transporte in ferne Länder, Waffenhandel: liegt da der Schlüssel für die Aufklärung?

Ein Unbekannter man betrifft das Hotelrestaurant, schießt Palmgren, der gerade eine Rede an die Tischrunde hält, in den Kopf und verschwindet durch ein offenes Fenster. Alles passiert so schnell, dass zunächst niemand mitbekommt, was da gerade geschehen ist. Die ersten Stunden nach dem Mord laufen nun slapstickartig ab. Die Polizisten vor Ort machen beinahe jeden Fehler, den man an einem Tatort nur machen kann. Als Per Mäansson, der leitende Kommissar, eintrifft, findet er Chaos vor aber nichts, was er für die Ermittlungen verwerten kann. Bis hierher hatte ich den Eindruck, dass der 6. Band der Martin Beck-Reihe eine Krimikomödie ist – und das auch noch gut und sehr amüsant gemacht.

Es wird allerdings ernster. So ernst, dass die Polizei in Malmö alleine damit überfordert ist. Martin Beck wird als Leiter der Ermittlungen von Stockholm nach Malmö geschickt. Sehr zum Missfallen der in Stockholm verbleibenden Kollegen, die jetzt noch mehr Arbeit zu bewältigen haben.

In von Sjöwall & Wahlöö gewohnter Weise wirkt die Schilderung der Morduntersuchung sehr real wirkend und dabei sehr detailliert. Aus der sachlichen Schilderung der Vorgänge entsteht die Spannung des Romanes. Obwohl so viele Details beschrieben werden, weiß man, dass alle die wichtigen und nebensächlichen Informationen unbedingt hier stehen müssen, dass ohne sie die Spannung nur halb so groß sein würde (oft führen so detailgetreue Beschreibungen zu Langeweile – in den Martin Beck-Romanen ist genau das Gegenteil der Fall).

Ohne zu viel verraten zu wollen: das Ende ist sehr schlüssig, wenn auch zugleich sehr überraschend.

Eine herben Rückschlag für eine ausschließlich positive Bewertung gibt es für mich auf den letzten Seiten. Denn die Autoren lassen hier einen Abschluss zu, in dem man Verständnis für einen Mörder zeigt, wenn der nur genügend “gute” Gründe für seine Tat hat.

Fazit:
Handlung und Spannung – 5  von 5 Punkten,
moralische Botschaft – 0 von 5 Punkten.


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