Cay Rademacher: Mörderischer Mistral
Ein Provence-Krimi mit Capitaine Roger Blanc

verfasst am 05.07.2014 von | 1 Kommentar
Rubriken: Kriminalromane, Rademacher, Cay

Ein Frankreich-Krimi. Nun hat sich auch Cay Rademacher auf die Welle der Frankreich-Krimis gesetzt und wählt dafür die Provence, die Region rund um Marseille als Schauplatz. Naheliegend wenn man weiß, dass Rademacher mit seiner Familie in der Provence lebt.

Es beginnt mit der Versetzung von Capitaine Roger Blanc. In Paris ist sein Spezialgebiet die Ermittlung in Korruptionsfällen; daß er dabei jemandem zu nahe gekommen ist lässt sich nur ahnen, als völlig unerwartet seine Versetzung in die tiefste Provinz, in einen kleinen Ort in der Nähe von Marseille auf seinen Schreibtisch flattert.

Ein altes, leicht verfallenes Haus, das er vor Jahren von einem Onkel erbte, ist Rogers neues Heim, ein paar Habseligkeiten, die allesamt in sein Auto passten, sind alles, was er aus seinem alten Leben in Paris mitnimmt. Denn gleichzeitig mit der Versetzung hatte ihm seine Frau erklärt, sich von ihm trennen zu wollen.

Eine völlig neue Welt, in der alles anders abläuft, als in der weit entfernten  Hauptstadt. Nur eines ist sehr ähnlich: Menschen werden umgebracht. Kaum angekommen, gibt es da schon den Fall des allseits bekannten und gehassten Kleinkriminellen, der auf einem Schrottplatz regelrecht hingerichtet wurde. Die Nähe zu Marseille ließe Verbindungen zum organisierten Verbrechen vermuten und der örtliche Polizeichef hofft auch, dadurch den Fall an eine andere Abteilung abgeben zu können – frei nach dem Motto: keine Arbeit = keine Fehler = gut für die Karriere.

Nicht mit Roger Blanc. Der findet schon bald heraus, dass Kriminelle von außerhalb wohl gar nichts mit dem Fall zu tun haben. Dafür gibt es in der Gegend reihenweise angesehene Bürgerinnen und Bürger, die in der einen oder anderen Weise schon Schwierigkeiten oder Auseinandersetzungen mit dem Mordopfer hatten. Und die Politik macht Druck, den Fall möglichst rasch anzuschließen.

Cay Rademacher hat quasi den perfekten Sommerkrimi geschrieben: ein wenig über Land und Leute, südliches Flair verwoben mit einem Verbrechen und dunklen Machenschaften. Es scheint, als hätte er sich seine Heimat und seine Nachbarn zum Vorbild für die Schilderung von Atmosphäre und Menschen des Landstriches genommen, so sehr kann man sich hineinfühlen.

Roger Blanc lernt man als normalen, sympathischen Menschen kennen, der rasch Fuß fasst in der neuen Umgebung und der die anfängliche Skepsis, die ihm seine neuen KollegInnen entgegenbringen, schnell überwinden kann.

In der Dichte und Wirkung der Erzählung kommt dieser „Provence-Krimi“ nicht an Rademachers „Hamburg-Krimis“ heran. Aber er ist ein passendes Gepäckstück für alle, die sich im Urlaub auch mit Lesen die Zeit vertreiben wollen.



RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  Christoph am 05.11.2014 um 16:22 Uhr Uhr

    Mein erster Rademacher und,wie ich finde,ein gelungenes Buch.Es ist in jeder Phase spannend,nie langweilig,extrem flüssig zu lesen,da es sich nicht in diversen Handlungssträngen verfängt.Man kann sich gut in die Umgebung „einfühlen“.Und endlich mal wieder ein Ermittler,der nicht in Selbstmitleid wegen seiner persönlichen Situation zerfließt.

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