Don Winslow: Vergeltung

verfasst am 20.01.2014 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Thriller, Winslow, Don

A wüde Gschicht! Die Umschlaggestaltung als reisserischer Thriller (geprägter Titel, große, silberne Lettern, wird vornehmlich in Bahnhofsbuchhandlungen gekauft) passt somit ganz genau zum .. nennen wir es Inhalt. Man steigt in Wien in den Zug, ist bis Innsbruck mit diesem .. nennen wir es Buch .. fertig und hat sich geistig mit nichts belastet, ist vielleicht eingenickt und hat einige Seiten überblättert, ohne auch nur irgendetwas zu vermissen.

Chuck Norris und der erste Delta Force-Film (ich gestehe reumütig, den gesehen zu haben) sind wohl eine der Vorlagen für diesen 08:15-Schmöker. 

Der .. nennen wir es Inhalt:

Ehemaliger US-Elitesoldat verliert seine Frau und sein Kind bei einem Terroranschlag. Ein Passagierflugzeug wird von Terroristen kurz nach dem Start in New York mit einer Rakete vom Himmel geholt. Teile des Fliegers stürzen auf einen dicht befahrenen Highway, schlittern in einen Tunnel; ein gigantisches Inferno folgt, man kann es sich vorstellen. Weil die US-Regierung aber genug hat von dem ganzen Krieg gegen den Terror, stellt man alles als Unfall hin. Und die Airline, freundlich gebeten von der Regierung,  nimmt es auf sich, den Familien der Opfer hohe Entschädigungen zu zahlen.

Obwohl die Behörden genügend Hinweise auf die Hintermänner haben, unternehmen sie nichts; also wirklich gar nichts. Ein bisserl ein unrealistisches Szenario, so ein kleines Dröhnchen hätte das US-Militär oder die CIA sicher irgendwohin geschickt, so wie wir die Herrschaften kennen. Aber bitte..

Dave Collins, der Elitesoldat, deckt den Schwindel auf, verbündet sich mit den Hinternbliebenen der Opfer des Anschlages (immerhin gab es mehr als 800 Tote!), die ihre Abfindungen in einen Topf werfen. Mit mehr als 200 Millionen Dollar am Konto macht sich Dave auf, einen alten Kameraden und dessen Söldnertruppe zu engagieren und gemeinsam mit diesem wilden Haufen aus aller Welt den Terroristen den A…. aufzureissen.

Chuck Norris-like eben. Kabumm. Krach. Peng. Doch die Bösen sind während dessen nicht untätig und planen den ultimativen Terroranschlag. Ur-aufregend, echt. Bumm.

Am Ende der Zugfahrt wird man dieses Buch leicht verschämt im Zug vergessen und hoffen, dabei nicht von Freunden oder Verwandten beobachtet zu werden. Denn dann müsste man sich beinahe schämen, es gelesen zu haben.

Don Winslow ist mit diesem Buch Lichtjahre von der Klasse seiner bisherigen Thriller entfernt. Es fehlt die unerträgliche Spannung wie zB. in „Tage der Toten“, es fehlt die Coolness wie zB. in „Pacific Paradise“, es fehlt die Action wie zB. in „Die Sprache des Feuers“.

Es ist einfach nur ein dumpfer Hau-Drauf-Fließband-Thriller, einer von diesen beliebigen Gut-Böse-Schmökern, die jedes Jahr zu hunderten erscheinen und niemandem in Erinnerung bleiben.

In der Hoffnung, dies möge ein einmaliger Ausrutscher gewesen sein, sei ihm dieses Buch verziehen – ich warte jetzt einfach auf das nächste…

PS: „Vergeltung/Vengeance ist brought to Europe by the National-Rifle-Association (NRA)“. Würde das in den Danksagungen zum Buch stehen, hätte es mich nicht gewundert.



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