Don Winslow: Satori

verfasst am 01.06.2011 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Thriller, Winslow, Don

Zurück in die Zeit des Kalten Krieges: für die Menschen eine bedrohliche Zeit für die Thriller-AutorInnen damals eine unerschöpfliche Quelle an Stories. Nun machte sich auch Don Winslow an die Arbeit und verließ dafür die gewohnten Gefilde rund um Kalifornien, in denen ansonsten seine Romane beheimatet sind.

Der Kalte Krieg ist gerade dabei immer kälter zu werden. 1951, der Koreakrieg ist im vollen Gange und der Westen – allen voran die USA – steht vor einem Dilemma: Die Sowjetunion und China, die beiden kommunistischen Riesen, sind in Folge des Koreakrieges näher zusammen gerückt, es droht ein Machtblock zu entstehen, der von der Mitte Europas bis in den Fernen Osten an die pazifische Küste reicht.

Nicolai Hel wird vom US-Geheimdienst angeworben, als Killer den entscheidenden Schlag zu führen, der dieses neu entstehende Bündnis zerschlägt und Mißtrauen zwischen Stalin und Mao entstehen lässt. Sein Ziel ist Juri Woroschenin, ein hohes Tier beim KGB und als Botschafter der UdSSR in Peking eine treibende Kraft bei der Zusammearbeit der Sowjets und Chinesen.

Hels erste Station ist daher natürlich Peking, getarnt als französischer Waffenhändler reist er an. Hier will er Woroschenin töten und damit die vom US-Geheimdienst erdachte Strategie der Verwirrung und des Misstrauens umsetzen. Doch Hel hat auch eigene Ziele, die die CIA nicht kennt. Ein Spiel auf Leben und Tod nimmt seinem Lauf, in dem Hel und seine Gegner einander in die Irre führen und dessen Ausgang alles andere als gewiss ist.

Da dieser Nicolai Hel aber so etwas wie ein Superheld ist übersteht er alle Anschläge, Überfälle, Mordversuche fast unbeschadet (und das ist jetzt nicht zu viel verraten, denn es gibt ja eine Fortsetzung). Hat was von einem  Helden aus dem Marvel-Comicuniversum.

Zwischen Japan, China, Korea und Vietnam ist die Geschichte eingebettet in den realen Rahmen der 1950er-Jahre und vermittelt damit auch ein Abbild dieser Zeit: Ost gegen West, Kommunismus gegen Kapitalismus, KGB gegen CIA – es war die Zeit, in der es um die Vorherrschaft in Asien ging. Die Franzosen sind gerade dabei ihren Einfluss in Indochina zu verlieren, die US-Amerikaner unternehmen alles, um eben diesen Einfluss für sich zu sichern. Stalin und die UdSSR versuchen gerade ganz Ostasien dem eigenen Einfluss zu unterwerfen und China beginnt, sich eine Position als Weltmacht aufzubauen.

Don Winslow liefert mit „Satori“ gewissermaßen ein Auftragswerk ab. Es ist die Vorgeschichte zu dem Roman „Shibumi“ von Trevanian, in dem der Agent Nicolai Hel die Hauptrolle spielt. Das Ende von Satori muss daher folgerichtig mit dem Beginn von Shibumi zusammen passen. Ob das so ist, weiss ich nicht – aber es ist wohl anzunehmen – denn weder kannte ich bislang den Roman aus dem Jahr 1975 noch den Autor.

Don Winslow (zumindest seine Bücher) hingegen kenne ich und bin ein Fan seiner Krimis. Die sprühen sonst nur so von Spannung, Persönlichkeiten, Schlagfertigkeit, Überraschungen und Winslow gehört für mich zu den derzeit besten amerikanischen Autoren in diesem Genre.

Auftragsarbeiten sind aber anscheinend nicht seine Sache. Die Geschichte ist zwar leidlich spannend, wälzt sich aber, auch weil sie so schwer an der ganzen Menge von Hintergrundinformationen zu tragen hat, viel zu oft schwerfällig dahin. Selbst die Charakterisierungen wirken auf mich seltsam schablonenhaft und unbelebt – dabei ist gerade das lebendig Werden der handelnden Personen (falls sie nicht gerade umgebracht wurden) ansonsten eine Stärke in Winslows Romanen.

Obwohl dauernd etwas passiert und laufend die Erzählebenen wechseln kommt die ganz Sache niemals so richtig in Schwung, sie holpert und stolpert dahin. Vieles empfand ich einfach als zu klischeehaft und vorhersehbar. Am Ende ist es für mich der schwächste Roman von Winslow, den ich bisher gelesen habe. Das liegt zum Teil aber auch an der Übersetzung, die sich manchmal in recht absonderlichen Formulierungen und Ausdrücken verliert.

Für die Erben von Trevanian war die Aussicht auf ein Ankurbeln des Buchverkaufes des 2005 verstorbenen Autors ein wichtiger Aspekt bei der  Zustimmung zu diesem Prequel. Was mich betrifft, so muss ich erst überlegen, ob ich mir „Shibumi“ antun soll, denn Satori hat mich nicht wirklich begeistert.

… und ausserdem PS: John Le Carre, Federick Forsyth, Robert Ludlum, Ken Follett, etc., etc – bei mir stehen ziemlich viele dieser Spionagethriller herum und ich habe diese auch immer mit Begeisterung gesammelt und gelesen – warum also ist mir Trevanian bis jetzt niemals unter gekommen?

… und überhaupt PPS: Wenn in einem deutschsprachigen Buch eine französische Frau mit dem (französischen) Vornamen „Solange“ vorkommt, dann ist das hin und wieder ein wenig verwirrend und erfordert Konzentration beim Lesen :-)



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