Buchbesprechung/Rezension:

Don Winslow: City on Fire


verfasst am 27.05.2022 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Thriller, Winslow, Don
LiteraturBlog Bewertung:

Zu viel Hormone und zu viel Ego: die Schwierigkeiten fangen genau dann an, wenn ein paar Kerle und eine schöne Frau zusammentreffen.

Eine neue Gangster-Saga von Don Winslow startet mit den Thriller „City of Fire“, zwei weitere Romane werden noch folgen. Schauplatz dieses ersten Buches ist Rhode Island in den 1980er-Jahren, die Region, die so etwas wie das Stiefkind des organisierten Verbrechens zwischen Boston und New York ist. Zu klein für die großen Mafiafamilien, aber groß genug für zwei lokale Gangster-Clans, die, jedenfalls bis zu dieser verhängnisvollen Party, beinahe friedlich das „Geschäft“ untereinander aufteilen.

Die Morettis, der kleine Ableger der italienischen Mafia und die Murphys, die irische Mafia. Gewerkschaften, Wettbüros, die lokalen Geschäfte, die Bars – alles läuft, alle machen ihre Gewinne. Dann taucht Pam auf, im wahrsten Sinn taucht sie auf als dem Meer (so beschrieben, als hätte Don Winslow dabei den legendären Auftritt von Halle Berry in „Stirb an einem anderen Tag“ vor Augen), als alle gerade am Strand den Sommer genießen. Pam ist die Freundin von Paulie, einem der Morettis und fällt Liam, einem der Murphys, gleich ins Auge. Und dann ja, kommt es wie es kommen muss: zu viel Hormone zu viel Ego.

Als Liam sich an Pam heranmacht und die sich umgehend bei Paulie darüber beschwert, ist es mit dem jahrelangen Frieden vorbei. Zuerst ein paar Prügel, dann schon Tote und nicht lange, bis es ein ausgewachsener Bandenkrieg ist. Die Bosse in Boston und New York und der Boss vor Ort sind gar nicht amüsiert. Man setzt sich zusammen, man klärt, man trifft eine Vereinbarung – und dann kann es einer der Halbstarken nicht lassen, glaubt, dass er sich unbedingt rächen muss und der Krieg geht weiter.

Hauptakteur ist Danny Ryan, dessen Vater vor langer Zeit der Chef der irischen Mafia war, sich aber aus der Position selbst hinaus gesoffen hat. Jetzt arbeitet Danny für die Murphys, ein loyaler Gefolgsmann, der dazu noch mit einer Murphy verheiratet ist. Mit jedem Toten rückt Danny weiter hinauf in der Hierarchie, bis er, ohne es wirklich zu wollen, selbst der Boss der Iren ist. Ein Boss, der anscheinend gar nicht für den Job geeignet ist, weil es ihm nicht leicht fällt, einfach jemanden um die Ecke zu bringen. Aber die Realität schafft eben oft neue Zwänge.

Boss der Iren zu sein ist aber jedenfalls kein Job, mit dem man in Zeiten wie diesen glücklich werden kann, ja man verdient nicht einmal Geld damit.

Alles ist einfach typisch Winslow: die Coolness, die Action, die Spannung, das Tempo, die Charaktere. Winslow gibt seinen Protagonisten immer unverwechselbare Eigenschaften und allesamt sind immer ganz eindeutig sie als Geschöpfe aus der Feder Winslows erkennbar.

Weil es sich um den ersten Band einer Saga handelt, werden die wichtigen Akteure etwas ausführlicher beschrieben, oft ist es ein kompletter Lebenslauf, der selbst schon Stoff für einen Roman hergeben könnte.

Dabei trifft man auf eiskalte Killer, die das aus dem Weg räumen, was ihnen nicht passt, andere, die das Gangsterbusiness strategisch betrachten und wieder andere, die gewissermaßen hineingeraten sind und nicht so recht wissen, was sie von ihrem eigenen Leben möchten. Oft fühlt es sich atmosphärisch an wie Mario Puzos „Der Pate“, Al Pacino (in jungen Jahren) als Danny Ryan wäre passend.

Es ist rasant, manchmal gewalttätig, immer fesselnd.
Ein toller Auftakt!




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