Thomas Raab: Der Metzger kommt ins Paradies

verfasst am 24.03.2013 von | 1 Kommentar
Rubriken: Kriminalromane, Raab, Thomas

Willibald Adrian Metzger bekommt zu seinem 50. Geburtstag ein Überraschungsgeschenk, doch soll es erst zu einem unbestimmten Zeitpunkt übergeben werden. Längst vergessen wird das Präsent sehr zum Unmut des Restaurators eingelöst. Seine Freunde haben zusammengelegt und er fühlt sich schwerstens hintergangen, als ihn seine Danjela ein halbes Jahr nach seinem runden Geburtstag an den Hausmeisterstrand „entführt“.

Da sitzt er nun völlig fassungslos und verschwitzt am Strand, belagert eine der tausenden Strandliegen und wundert sich über das Verhalten der Badegäste an der Adria. Doch wider Erwarten wird der Urlaub plötzlich interessant.

Willibald schmollt vor sich hin, hat sich eher einen Kulturausflug gewünscht, als in der sengenden Hitze in flattriger Badehose am Mittelmeer, der scheinbar größten WC-Anlage Europas, darauf zu warten, dass dieser Höllentrip schnellstens vorüber gehen möge. Für sein Verhalten erntet er von seiner Geliebten einen bösen Blick und dann lässt sich auch noch Danjela ihre langersehnten Urlaubsfreuden von ihm nicht vermiesen. Sie lässt ihn alleine auf der Strandliege zurück, während sie im Touristengetümmel ordentlich ihrer Lebensfreude nachgeht.

Die Ferienidylle so manch Urlauberfamilie wird plötzlich kläglich gestört.  Beim Bau einer Sandburg wird während des Buddelns im Sand ein totes Hündchen zutage befördert. Hochkonzentriert ist der Willibald plötzlich und beobachtet – scheinbar mit einem Rätselheftchen schwerstens beschäftigt – die Geschehnisse am Strand.

Zwei Männer machen es sich mit einer auffallend grünen Kühlbox einige Meter vor ihm gemütlich. Nach Willibald Adrians Geschmack sehr unkultivierte Typen. Sie entnehmen der Box Dosenbier, einen Stoß Zettel und ein Kulturführer. Trinkend und rülpsend sind die beiden einige Zeit beschäftigt. Nachdem den beiden Herren an ihrem Plätzchen scheinbar langweilig wird, der eine sich an die Strandbar verzieht, der zweite aufsteht, die Zettel auf die Kühlbox legt, sich in den Schritt greift und auf das Salzwasser zusteuert, kommt ein Lüftchen auf. Es dauert nur ein paar Augenblicke und schon wird aus dem lauen Lüftchen ein Wind und bläst den Stoß Papier durch die Lüfte.

Höflich und behilflich, das war Willibald Adrian Metzger schon immer. Aber auch immer schon neugierig. Und schon springt er über den heißen Strand und fängt ein Stück Papier nach dem anderen, um den beiden Herren das gerettete Strandgut zurückzubringen. Doch wie gesagt – unwiderstehlich groß ist die Neugier immer schon gewesen. So wirft der Restaurator einen Blick auf die Blätter und vergisst plötzlich den mittlerweile die Fußsohlen versengenden heißen Untergrund während er auf die Zettel starrt.

Was bitte soll das ihm aus Fernsehen bekannte Gesicht auf den Papierseiten? Herr Meier, eine anerkannte Persönlichkeit Österreichs, drei Doktortitel, Generaldirektor einer Privatbank und bekannter Kunstsammler lacht ihn an, als wäre das Foto aus einer Verbrecherkartei – natürlich sieht das nur so aus, eben schlechte Bildqualität. Kann ja nicht sein und weiß doch jedes Kind, dass dieser Mensch der Öffentlichkeit eine honorige Persönlichkeit mit weißer Weste ist.

Genug geschnüffelt will er die Papierblätter wieder zur Kühlbox bringen. Neuerlich kann er sich nicht beherrschen und wirklich nur ein bisschen neugierig, vielleicht auch ein wenig gierig nach weiteren Informationen hebt er schwitzend (und diesmal nicht nur der Sonnenstrahlen wegen) den Deckel und wagt einen Blick in das tragbare Kühlfach. Ein buntes Hundehalsbändchen? Ein bisschen blutverschmiert? Zwischen Bierdosen findet sich zudem ein Kulturführer aus dem kleine Lesezeichen ragen. In dem Sammelband der Maier`schen Kulturgüter markiert eines der Lesezeichen eine Buchseite, auf dem ein Gemälde mit einem sich aufbäumenden, blauen Hengst abgebildet ist. Schön ist das Bild nicht. Aber wertvoll?

Nicht nur die Sonne brennt vom Himmel. Die Situation wird brenzlig und treibt dem Metzger neuerlich den Schweiß auf die Stirn, denn die beiden Eigentümer der Kühlbox nähern sich wieder ihrem Badeplätzchen. Unschuldig dreinblickend verzieht sich Willibald wieder auf seine Liege und schon rattert es in seinen Gehirnwindungen, dass ihm fast schwindlig wird…

Nach einer ausgiebigen Versöhnung mit Danjela und dem Austausch über Willibalds ominösen Urlaubsbekanntschaften stecken die beiden bald mitten in einer Geschichte, die sie eher aus dem Fernsehen kennen.

Wieder gespickt mit  „raab“enschwarzem Humor :o)



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  • Kommentar von  Tina Meir-Kluge am 22.02.2015 um 18:21 Uhr Uhr

    Liebe Elke, „raabenschwarz“, damit trifft du den Nagel voll den Kopf!! Ich finde ja, dass das der beste Metzger ist. Ähnlich gut könnte vom Thema her noch die Netzwerk-Orange werden, die bald erscheinen soll… herzlich, Tina

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