Raab, Thomas: Der Metzger sieht rot

verfasst am 03.01.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Raab, Thomas

der-metzger-sieht-rotWillibald Adrian Metzger, ein Wiener Möbelrestaurator,  hat nicht nur eigenartige Beziehungen zu seinen reparaturbedürftigen antiken Möbelstücken, sondern auch gegenüber Frauen. Es ist das Jahr der Europameisterschaft 2008, und wozu dabei Menschen imstande sind, das muss man erst erlebt haben. Danjela Djurkovic, Willibalds Augenstern, schleppt ihn zu einem Wiener Derby in das Fußballstadion. Das hat sie eine Menge an Überredungskünsten gekostet, meint doch der Metzger, der Mensch sei  ihm für gewöhnlich schon als Einzelner gefährlich, da muss er sich nicht noch freiwillig in die weitaus gefährlichere Zusammenrottung eine hirnlosen Rudels ausliefern.  So geleitet er die Schulwartin Danjela samt Fan-Schal der Kicker Saurias in das Stadion.

In dieser Masse fühlt sich der Metzger wie ein im Busch lauernder Verhaltensforscher in einer Horde hysterischer Affen. Es kicken Saurias Regis gegen SK Athletik Süd. So klein können Städte gar nicht sein, dass nicht die Kluft zweier Vereine aus derselben Metropole, derselben Liga und derselben Absicht, nämlich auf einem guten Tabellenplatz zu landen, von dermaßen unüberwindlichen Ausmaßen ist, eher würde sich der Papst beschneiden lassen (S 15).

Nach der ersten Halbzeit bricht der schwarze, aus Ghana stammende Torhüter Kwabene Owuso, tot zusammen. Danjela scheint irgendwie in den mysteriösen Tod verstrickt zu sein, wird sie doch einen Tag später selbst Opfer eines baseballschlagenden Irren. Sie verfällt ins Koma, und damit wiederum verfällt Willibald Adrian Metzger in einen Zustand unbändiger Wut. Neben seinem Freund und Polizist Pospischill beginnt er selbst zu ermitteln. Er begibt sich in das Fußballmilieu samt Fanclubs und stößt dabei auf merkwürdige Vorkommnisse, die ihn sogar, schüchtern wie er ist, in ein Nobelbordell verschlagen. Und bei Willibald Adrian Metzger bleibt bei seiner Schnüfflerei kein Stein auf dem Anderen, um der Wahrheit näher zu kommen.

Ein wahres Lesevergnügen. Raab versteht es, mit wundervollen Wortkreationen einen guten und humorvollen Krimi zu verfassen. Dieser erlaubt auch einen ironischen Einblick in das Millionengeschäft Fußball, der Fans und ihrem Erleben von Katharsis, wenn sie sich der reinigenden Kraft der affektiven Erschütterung im Stadion hingeben.



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