Georg Haderer: Engel und Dämonen

verfasst am 29.09.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Haderer, Georg, Kriminalromane

Major Schäfer ist verschwunden. Ja, stimmt. In letzter Zeit war er ein wenig eigen. Hat er sich abgesetzt? Suizid? Wurde er ermordet? Eine Sonderkommision wird eingerichtet und Bergmann in dieser Causa zum Gruppenleiter ernannt. Er kenne doch seinen Chef am Besten!? Bergmann hat auf mehreren Ebenen viel zu tun. Sein Privatleben läuft unrund – Beziehungsprobleme zu seinem Freund Martin – und die Arbeit nimmt in auch ziemlich in Beschlag.

Im Einsatzbereich „Leib und Leben“ schlägt sich Bergmann herum mit gewalttätigen Türstehern, einem toten Kroaten, Straßenschlägereien und prügelnden Ehemännern. Und dann soll er noch seinen Kopf frei haben und sich mit dem Verschwinden Schäfers ins Zeug zu legen.

Gerade der tote Kroate hinterlässt bei Bergmann Kopfschmerzen. Müller, Besitzer eines Nachclubs, soll diesbezüglich verhört werden. Doch Müller lässt sich nicht in die Karten blicken. Wobei bei einem Einsatz in einer Lagerhalle, die genau dem Müller gehört, Blutspuren gefunden werden. Bergmann extrem nervös, doch nicht Schäfers Blut?

Es riecht allerdings irgendwie nach Schlachthof und die Spurensicherung entdeckt Federn. Diese stammen von einem Huhn, ebenso wie das Blut. Welch Erleichterung! Da entspinnt sich eine Theorie, nämlich jene, dass ein Hahnenkampf stattgefunden haben könnte, bei dem der Kroate Opfer wurde. Seltsam.

Dann tut sich ein weiterer Fall auf. In einer Wohnung im 2. Bezirk wird ein Mann von einem heruntergefallenen Luster getötet. Doch Arbeiter behaupten, einen Schuss gehört zu haben. Bergmann schickt seine Kollegin Kovacs hin und ihr Instinkt sagt ihr, dass da was nicht stimmt. Eisters heißt der Tote. Ein Sprengstoffbastler, der mit Acetonperoxid hantiert hat. Der herabfallende Luster dürfte den hochempfindlichen Initialsprengstoff gezündet haben, und wumm! Eines der Metallröhrchen hat Eisters Halsschlagader durchtrennt und er ist verblutet.

Er war Mitglied des BOG – dem Bündnis zur Optimierung gesellschaftlicher Strukturen.

Bergmann lässt kurz die Arbeit in der Suche nach seinem Chef schleifen – die ungelösten Fälle, seine Beziehungskrise und ein Besäufnis mit anschließendem ordentlichen Kater – entkräften ihn. Gleichzeitig bringt dies ein schlechtes Gewissen mit sich. Daraufhin begibt er sich ins Waldviertel, um dort seine Ermittlungen in Sachen „Schäfer“ zu intensivieren. Dieser soll dort ein Seminar, irgendwas Esoterisches, besucht haben. Laut Auskunft Schäfers Psychotherapeuten sei Schäfer einem Burnout nahe und auf der Suche nach einem Ausweg aus dem Tunnel der Depression gewesen.

Bergmann begibt sich in das Seminarhotel und erfährt von einer Mitarbeiterin, dass sich Schäfer – sie erkennt ihn auf einem von Bergmann vorgelegten Foto wieder – immer am Tisch von Herrn Marsant gesessen habe, dem an der linken Hand der kleine Finger fehlt. Erstaunlicherweise gehört Marsant auch dem BOG an.

Irgendwie dreht sich das Karussell. Um die Vereinigung BOG, um Amulette, die beim toten Bombenbastler genauso gefunden wurden wie in Schäfers Schreibtischschublade. Selbst Herr Marsant hat ein solches Amulett getragen. Das wird auf einer Fotovergrößerung, die ihm eine Journalistin zuschickt, ersichtlich. Was hat es damit auf sich?

Scheinbar ist Schäfer auf einer Spur gewesen, es geht um ein neues Zeitalter. Eisert, ein toter religiöser Fanatiker, der in Notizbüchern über seine Vorstellung einer neuen Weltordnung schrieb und auf ein Zeichen gewartet hat das ihm sagt, jetzt ist es Zeit, die Bombe zu zünden.

Schäfer, irgendwo in der Schweiz, fehlen 20 Jahre seines Lebens. Er hat eine enorme Erinnerungslücke. Die Spur um Schäfer verdichtet sich.
Bei Bergmann taucht die Frage auf: ist Schäfer total deppert oder ein genialer Ermittler? Warum hat sich dieser mit den Sonnentemplern abgegeben? Um zu recherchieren? Oder ist er der Sekte verfallen?

„Engel und Dämonen“ ist bereits der vierte Fall um den Polizeimajor Johannes Schäfer. Und wieder genial! In diesem Buch rückt Bergmann in den Mittelpunkt des Geschehens, dadurch sind die Ermittlungsmethoden von Schäfer nicht ausschlaggebend. Was nicht fehlt sind Ironie und schwarzer Humor, die wunderbaren ironischen Beschreibungen des ganz normalen Alltagstags, Sorgen und Gedanken der Teilhabenden, genauso wie die Ermittlungsarbeit und die kuriosen Arbeitsbeziehungen zwischen den ErmittlerInnen.
Gelungen finde ich den Perspektivenwechsel zwischen Bergmanns Ermittlungsarbeit und Schäfers Suche nach seiner Erinnerung!



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