Lena Avanzini: Am Ende nur ein kalter Hauch
Ein Fall für Carla Bukowski

verfasst am 22.03.2019 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Avanzini, Lena, Kriminalromane

Der Tod der Großmutter, von dem Carla Bukowski nur durch Zufall erfährt. Es gäbe sonst für sie keinen Grund, für ein paar Tage in ihren Heimatort in Tirol zurück zu kehren. Nichts verbindet sie mit ihrer Familie außer dunkle Erinnerungen an Ablehnung, Lieblosigkeit und Erniedrigung.

Es ist eine Betreuerin des Heimes, in dem ihre Oma ihre letzte Lebensjahre verbrachte, die Carla informiert, niemand von ihrer Familie hatte es für notwendig empfunden, dies zu tun. So trifft Carla mit einem dumpfen Gefühl in der Magengegend ein, zwingt sich, nur wegen des Andenkens an ihre Oma, sich der Trauerveranstaltung anzuschließen.

Der dritte Krimi aus der Reihe mit der kettenrauchenden Polizistin Carla Bukowski nimmt gelegentlich Bezug auf die beiden Vorgänger-Romane, lässt sich aber trotzdem auch gut als eigenständiger Roman lesen. Vieles, das mir vor diesem Hintergrund zunächst ein wenig verwirrend erscheint, löst sich im Laufe der Handlung auf (und, das nehme ich an, vieles übrig gebliebene auch für Leser/Innen der ersten beiden Krimis).

Carla lässt also das Familientreffen über sich ergehen, das weitgehend ihrer Erwartung entspricht, es würde katastrophal werden. Schon auf dem Heimweg, auf dem Bahnhof, hält sie der Anruf eines ihrer Brüder davon ab, den Zug nach Wien zu besteigen: Daniel, Sohn ihres Bruders Sebastian, ist verschwunden und gerade ist ein Brief mit einer Lösegeldforderung eingetroffen: Carlas Neffe wurde entführt!

Ich habe mich nach einigen Seiten in die Handlung hinein gelesen und fand mich immer besser zurecht. Der Krimi, der ein wenig rastlos beginnt (und mich mit Nebenschauplätzen, die ohne Zusammenhang mit der Handlung erscheinen, zunächst ein wenig ratlos macht), nimmt kontinuierlich und beinahe beiläufig Fahrt auf. Wie der Entführungsfall immer mehr (auch) zu einem Blick in die Vergangenheit der Familie und in Carlas eigene Vergangenheit wird, das wird richtig spannend.

Beiläufig? Damit meine ich, dass es nicht den einen oder anderen richtigen „Knall“ in der Handlung gibt, sondern dass sich alles wirklich Schritt für Schritt entwickelt – das aber rasant. Mit einem Mal ist es, man hat es kaum bemerkt, sehr aufregend und die Seiten fliegen nur so dahin. Jetzt ist „Am Ende nur ein kalter Hauch“ ein richtiger Page-Turner.

Und eines kann man verraten: Entführung und Vergangenheit sind eng mit einander verwoben.

Am Ende wird es für mich wieder ein wenig verwirrend und die Handlung lässt – vielleicht ähnlich zu den beiden ersten Krimis der Reihe? – offene Enden und mich etwas überrascht zurück.

Aber es gibt jedenfalls einen Showdown in den Bergen Tirols; und jetzt ist er auch da, der richtige „Knall“.


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