Rob Reef: Stableford

verfasst am 15.03.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Reef, Rob

Ein Krimi für Golfer. Ist man keine/r, macht es aber auch nichts, denn die kleinen Wissenslücken, die man als Golf-Laie beim Lesen hin und wieder hat, die stören nicht – dem Krimi kann man auch sehr gut folgen, ohne Insider zu sein. Und ausserdem findet man am Ende des Buches ein kleines Glossar zum Thema.

Doch genug vom Golfen, mehr vom Morden: angesiedelt ist die Handlung im Jahr 1936, was die Chance eröffnet, ein wenig Agatha-Christie-Flair in das Buch zu bringen. Da wir uns, gemeinsam mit den Protagonisten, in einem einsamen Landhaus, in einem Ort ganz am Ende von Cornwall versammeln, fällt das nicht schwer und man fühlt sich bald in eine andere Zeit versetzt.

Die Fahrt mit dem Zug von London  nach Cornwall, mit einigen zufälligen Begegnungen. Acht persönlich eingeladene Golfer, aber keine Spur vom Gastgeber. Der Golfplatz direkt an den Klippen. Ein Mord in einem durch Wind und Wetter von der Aussenwelt abgeschnittenen Landhaus. Ein missmutiger Hausmeister. Englischer Dauerregen. Mr. John Stableford in der Rolle von Miss Marple/Hercule Poirot/Sherlock Holmes, eine Rolle die ihm als Schriftsteller, dem man abstraktes Denken nachsagt, geradezu auf den Leib geschneidert scheint. Ja, und natürlich viele Verdächtige samt finaler Entlarvung des Täters/der Täterin vor versammeltem Publikum im Salon des Landhauses.

Die Geschichte ist eine Mischung aus „Und dann gab’s keines mehr “ von Agatha Christie und dem grandiosen Film „Eine Leiche zum Dessert“ aus dem Jahr 1976. Der Vergleich drängt sich geradezu auf, und ein wenig vom britischen Flair der beiden Vorbilder bietet auch dieses Buch.

Man erkennt von Anfang an den Versuch, sich an berühmten Vorbildern zu orientieren. So wie die Leute sprechen, so wie sie sich verhalten, das weckt einige Erinnerungen. Die Krimihandlung selbst ist aber keinenfalls eine Kopie! Unter der Leitung von John  Stableford werden Spuren ausgewertet, Erzählungen miteinander verglichen und Ereignisse gedeutet, ganz so wie es die großen der Detektivbranche auch machen würden, aber doch auf eigenen Wegen.

Das wird zunehmend unterhaltsamer und lädt natürlich auch zum Mitraten ein. Und wenn man aufmerksam liest, dann kann man dabei durchaus erfolgreich sein. Ich habe nach der Auflösung nochmals, dafür aber gewissermaßen rückwärts, gelesen und muss sagen: ja, da hätte man auch selber draufkommen können.

Ein sehr lesenswerter Krimi, es liest sich locker und leicht und kommt ohne viele Umschweife immer bald zum Punkt, was ich als positiven Einfluss der Werbetexterei (=Hauptberuf des Autors) werten möchte :-). Leider ist es nach dem Erscheinen im Jahr 2010 in den Buchcharts nicht wirklich ganz nach oben gekommen, obwohl es da einige weitaus schlechtere Bücher mit weitaus besseren Verkaufszahlen gab. Das ist schade, aber bei einem neuen Autor und einem neuen Verlag leider (viel zu) oft die Regel.

Ein Satz zum Lektorat. Die Grammatik halte ich bei einem Roman für eine zentrale Angelegenheit, da sollte man beim Lektorat nicht unbedingt leichte Abneigung gegenüber Satzzeichen pflegen (Das nämlich reduziert den Spaßfaktor beim Lesen unnötig).

Als Gegenpol dazu die Covergestaltung: die gefällt mir so gut, dass ich ursprünglich nur deshalb das Buch gekauft habe (heute täte ich das auch wegen des Inhalts).


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