Helmut A Gansterer, Christiane Scholler: Erwin Pröll - Profil eines Politikers

verfasst am 15.01.2012 von | 1 Kommentar
Rubriken: Biographie, Gansterer, Helmut A, Scholler, Christiane

Wenn ausserhalb des Landes Niederösterreich der Name „Erwin Pröll“ fällt, dann rollen die meisten mit den Augen, fallen wenig schmeichelhafte Bezeichungen wie „Landeskaiser“, „Parteibonze“ (das sind noch die freundlichsten, weiteres dazu lasse ich unerwähnt, sonst verklagt mich noch jemand) und alle freuen sich, dass in ihrem eigenen Bundesland der Pröll nicht an der Spitze der Landesregierung sitzt.

Über einen Politiker, der für die meisten ÖsterreicherInnen wohl der Inbegriff des Politik-Machtmenschen ist, haben Helmut Gansterer und Christiane Scholler ein Buch geschrieben, das bislang unbekannte Einblicke in den Menschen Pröll verspricht. Schön, denkt man sich da, warum nicht, vielleicht ist das Bild des Erwin Pröll ja ein ganz falsches und in Wahrheit ist er ein ganz lieber und umgänglicher Mensch. Und außerdem schätz(t)e ich Helmut Gansterer noch aus seiner Zeit beim „Trend“, als pointiert und zielsicher formulierenden Journalisten.

Das also war die Ausgangsbasis.

Gleich vorweg: das Ergebnis ist gleichsam erschütternd wie peinlich.

Was man geliefert bekommt, ist eine völlig unkritische Betrachtung des Erwin Pröll, die dieser den beiden AutorInnen sichtlich direkt in die Tastatur diktiert hat (wer hat das kürzlich auch noch gemacht? Genau! Der Herr von und zu Guttenberg!). Nicht nur unkritisch sondern gleichsam verklärend. Ein Politiker, der – verkauft wird uns LeserInnen das im Buch als „Zitate“ – anscheinend in der Lage ist, Gedanken und Sätze aus dem Stegreif zu formulieren, wie sie jeden großen Lyriker und Denker vor Neid erblassen lassen, einer, der aber gleichzeitig –  ganz,  ganz ehrlich und wirklich –  einer von uns Normalsterblichen geblieben ist. Ist das nicht schön?! Er ist einer, der zu allem eine,  und dann auch immer genau die richtige, Meinung hat. Von dem Mann können wir noch so viel lernen.

Ganz lieb sind auch die „Handschriftlichen Notizen“ des E.P., die man als Scan im Buch bewundern kann. Welch wunderbare Handschrift, welch wunderbare Gedanken uns da geboten werden – und anscheinend ganz spontan hingeschrieben und den beiden AutorInnen überreicht. Einfach nur schön und ergreifend.

Das alles ist ein paar Seiten lang amüsant, wird aber, weil es bis zum Ende dieses Buches in einer schier endlosen Leier und Lobhudelei dahin geht, bald langweilig und schlussendlich nur noch peinlich. Nichts wird hinterfragt, alles ist echt und ursprünglich, alles ist voll super und toll.

Erwin, der Freund der Mächtigen dieser Welt (untermauert mit so wunderschönen Bildern), der gütige Landesvater, der gute Übermensch, der uns behütet, für uns denkt und uns mit liebevoller Hand lenkt. Mariazell würde sich da für die Seligsprechung schon zu Lebzeiten direkt anbieten und irgendwer wird sich sicher bereit finden, mindestens ein Pröll’sches Wunder zu bestätigen. Personenkult vom Feinsten!

Auffallend ist, dass es zu diesem Buch bisher praktisch keine Besprechungen gibt, die über den vom Styria-Verlag herausgegebenen Pressetext hinaus gehen. Gefunden habe ich vielfache Erwähnung in den ÖVP Haus-und-Hof-Medien (inkl. ORF-NÖ, Niederöst. Nachrichten, etc.) aber wirklich gelesen hat es anscheinend kaum jemand. Ist aber auch logisch, denn wenn kritische Seitenblicke gänzlich fehlen, wie ernst kann man ein solches  Buch überhaupt nehmen?

Und genau an diesem Punkt macht sich bei mir Unverständnis breit: wie konnte ein ansonsten professionell kalkulierender Politiker (so hätte ich ihn bisher eingeschätzt) wie Erwin Pröll glauben, dass eine derart augenscheinliche Selbstbeweihräucherung ihm nützen könnte und warum hat er es also gemacht? Seinen gläubigen Jüngern muss er sowieso nichts mehr beweisen, alle anderen wird er damit mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht für sich gewinnen, eher abstossen. Bleibt nur anzunehmen, dass mit diesem Buch schlicht und ergreifend die Eitelkeit befriedigt werden sollte: wenn man ihn schon nicht als Bundespräsident haben will, dann bitte wenigstens eine Laudatio in Buchform mit einem echt coolen (!) Coverbild vorne drauf.

Fazit: reinster Personenkult in Wort und Bild, über den sich wahrscheinlich auch der selige Kim-Jong Il gefreut hätte. Da kann man sich nur erstaunt die Augen reiben und das Buch erschüttert aus der Hand legen.

PS: Frau Scholler kannte ich bislang nicht, da ist also auch nichts zu revidieren. Meine Meinung über Herrn Gansterer hat sich allerdings nach diesem Buch drastisch geändert, denn mit Journalismus hat das rein gar nichts zu tun, das ist nur noch willfährige „Hofschreiberei“.

PPS: weil ich nicht glaube, dass man den Herrn Pröll ausserhalb Österreichs oft kennt und auch als kleine, stimmungsvolle Ergänzung zum Buch: hier ein kleines Beispiel



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  • Kommentar von  Elke am 18.01.2012 um 18:03 Uhr Uhr

    Klingt interessant :o)

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