Komarek, Alfred: Doppelblick

verfasst am 01.11.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Komarek, Alfred, Romane

Heinz ist tot. Er steht am Grab seines Bruders und erkennt, wie sehr er ihn vermisst. Hamburg ist einsam. Nach der Rückkehr aus Graz fehlt ihm Sabine, die gerade irgendwo in Europa Schafe fotografiert. Für Daniel Käfer beginnt das Jahr wahrhaft nicht freudigen Ereignissen.

Als er dann auch noch eine deutliche Warnung von seinem eigenen Körper erhält, sich etwas mehr Ruhe zu gönnen, steht sein Entschluss fest, beruflich einen Gang zurück zu schalten. Eine neue Aufgabe kommt ihm da gerade recht. Daniel soll sich auf die Suche nach einem Gebäude machen, in dem ein Kreativzentrum seines Verlages an der Zukunft feilen soll. Sein Weg führt ihn ins Salzkammergut, zurück zu den lieb gewonnenen Bekannten, zurück aus der Großstadt in die ländliche Beschaulichkeit und Sabine kommt auch.

Ein Schritt in die richtige Richtung, um diesem Jahr doch noch eine positive Wendung zu geben. Es ist vorerst ein sehr kurzer, denn das, was ihm Sabine gleich bei ihrem Eintreffen zu sagen hat, ist keinesfalls dazu angetan, Daniels Stimmung zu heben, bringt seine Gefühlswelt in gehörige Unordnung.

So treibt er seine „Ente“ durchs Salzkammergut, Aussee, Ischl, Hallstatt und zurück, wohnt wieder bei Maria Schlömmer, deren Seelenzustand ziemlich genau seinem eigenen entspricht, spannt Eustach Schiller in seine Planungen ein, viele alte Bekannte und ein paar neue laufen ihm über den Weg und ist ansonsten, trotz bester Vorsätze, hin- und hergerissen zwischen Aufgeben und Durchhalten.

Als sein Blick, zufällig, auf das Haus „Doppelblick“ fällt, will er mehr darüber erfahren, aller Einwendungen Schillers zum Trotz. Ein Haus oben am Berg, mysteriös, abweisend, verfallend – genau so wie sein Besitzer.

Ein Satz, der für mich beispielhaft die Stimmung widerspiegelt, die dieses Buch vermittelt. „Der Regen hier [im Ausseerland] war anders als der Regen auf der Aotobahn, kein Störfall, sondern ein sanftes Einverständnis zwsichen Wolken und Wiesen.“

Er – der Stil des  Buch – schwankt zwischen Romantik und Melancholie, Hoffnung und Resignation, sowohl was die Handlung als auch was den Gesamteindruck betrifft, den ich beim Lesen hatte: ein Roman mit dem Käfer muss noch her, koste es was es wolle.

Waren im ersten Käfer-Buch (Die Villen der Frau Hürsch) die Dialoge meist noch pointiert, kammerspielreif, so wirken sie auf mich in „Doppelblick“ oft unrealistisch – so spricht keiner und so ist auch nicht die hochdeutsche Fassung von regionaler Ausdruckweise.

Das Ende der Romanreihe mit Daniel Käfer, wenn auch nicht mit einem Paukenschlag  (noch einen würde ich auch nicht lesen). Es beginnt zerfahren, scheint zwischendurch etwas an Schwung zu gewinnen, endet aber so wie es begann. Im Kopf entstehen beim Lesen hin und wieder ein paar schöne Bilder, aber nicht genug um die Geschichte einzutauchen und nicht leider auch nicht genug um daraus ein empfehlenswertes Buch zu machen.



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