Herbert Dutzler: Letzter Gipfel
Ein Altaussee-Krimi

verfasst am 12.09.2012 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Dutzler, Herbert, Kriminalromane

Ja die Ösis, könnte man sagen, wäre man BesucherIn aus unserem Lieblings-Nachbarland, ja die sind gemütlich, ein bisserl schusselig vielleicht, dabei aber immer liebenswert (Kleine Korrektur, weil das hier ein Krimi ist: alle sind liebenswert, ausser den bösen Mördern natürlich!).

Es ist ein Österreicher, der hier so vortrefflich die Klischeevorstellungen über uns als Disneyland der Alpen bedient. Ein wenig fehlen mir zum vollständigen Glück dabei die Lippizzaner und der gute alte Kaiser. Aber gut, man kann nicht alles haben. Und der Dorfpolizisten Gasperlmaier (früher: der Gendarm) ist gewissermaßen der rustikale Ersatz für beides.

Das Ausseer Land (wer bisher noch nicht dort war: es ist wirklich eine Reise wert!)  ist Schauplatz gar grauslicher Ereignisse. Der Gasperlmaier und sein Chef werden auf den Loser gerufen, nachdem auf der Hutte ein äußerst mysteriöser Anruf eingegangen war. Der Mann am Telefon erzählte etwas von seiner Frau, die abgestürzt sei, dann aber war es unvermittelt aus, das Telefonat, und die Bergrettung musste ausrücken ohne wirklich zu wissen, wo man suchen sollte.

Als man dann erst eine (schon länger abgelegene) und wenig später eine zweite (erst wenige Stunden zuvor ums Leben gebrachte) Leiche entdeckt, wird aus dem vermeintlichen Hilferuf schnell ein Fall für die Kriminalpolizei. Zwar wird bei der Suche und der nachfolgenden Ermittlung natürlich alles an zeitgemäßer Technik und zeitgemäßen Abläufen aufgeboten, was es gibt (Hubschrauber, Gerichtsmedizin, Spurensicherung – man kennt das ja),  aber bei all dem moderen Getue geht es doch vorrangig um Regionaltypisches.

Besser ein Jause, als eine Leiche ist das Motto der örtlichen Polizei. Und weil man für gleich zwei Leichen so gar nicht gerüstet ist, eilt schon bald Verstärkung herbei: Frau Doktor Kohlross von der Bundespolizei aus dem nicht weit entfernten Liezen reist an um die Ermittlungen zu übernehmen.

Ab dann hat man es mit gleich zwei Geschichten zu tun: da ist einmal die von den Morden und der Suche nach dem Täter/der Täterin/den Tätern/den Täterinnen – wer weiss das schon. Und dann gibt es ein Heimatbuch über Altaussee, das Salzkammergut und die Menschen dort. Beide fließen ineinander und ergeben zusammen einen sehr beschaulichen, sehr einnehmenden Krimi mit Schwerpunkt Land und Leute.

Als Oberösterreicher, der von seiner Heimatstadt Schwanenstadt aus gewissermaßen direkt ins Salzkammergut hinüber schauen kann, ist Herbert Dutzeler wirklich prädestiniert, über die Landschaft und die Menschen dieser Gegend zu schreiben. Das geschieht meistens mit einem, kaum verborgenen, Augenzwinkern, ist leicht und beschwingt lesbar und hinterlässt eine gute Stimmung, weil man sich ein paar Stunden lang wirklich ausgesprochen gut amüsiert hat.

Wer leichten Herzens auf Verfolgungsjagden mit quietschenden Reifen durch Häuserschluchten verzichten kann, wer von all dem High-Tech-CSI-Zeugs schon längst genug hat, wer sich gemütlich mit einem gemütlichen Buch aufs Sofa werfen möchte (optimalerweise dann, wenn draussen leise der Regen herunterprasselt), ist mit dem „Letzten Gipfel“ bestens bedient.

Die Spannung ist dabei zwar nicht nervenzerfetzend, aber das tut der Zufriedenheit keinen Abbruch:  man wird auf genügend falsche Spuren geleitet, muss genügend oft seine eigenen Lösungs-Prognosen revidiren um sind herzhaft an der Krimihandlung erfreuen zu können.

Und am Ende freut man sich, eine gute (Lese-)Zeit verbracht zu haben.


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