Komarek, Alfred: Narrenwinter

verfasst am 20.09.2010 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Komarek, Alfred, Kriminalromane

Daniel Käfer zieht einen Schlustrich: er gibt seine Wohnung in München auf, muss erkennen, dass er mit seiner Art Journalismus zu machen, niemanden mehr begeistern kann und macht sich, mitten im Winter, erneut nach Bad Aussee auf. Dorthin zurück, wo er wirklich daheim ist – diesmal mit dem konkreten Anlass, ein Buch über den Fasching im Salzkammergut zu verfassen.

Für leichte Irritation sorgt bei Käfers Ankunft die Anwesenheit von Bruno Puntigam, dem alten Schulkollegen, der nicht nur Daniels Parkplatz vor, sondern auch sein Zimmer mit Dachsteinblick in der Pension Schlömmer okkupiert hat. In seinem  Gepäck hat Puntigam, neben seinem unüberbietbaren Selbstbewusstsein auch noch ein Angebot für Käfer: gleich einen ganzen Medienkonzern neu zu positionieren.

Doch bevor es dort ans Werk geht, steht noch sein eigenes Projekt an. Käfer rutscht buchstäblich mitten hinein in den Fasching, als er mit seiner Ente im Schnee von der Straße abkommt und just von Sepp Köberl vom Sturz in die Traun abgehalten wird. Von Köberl, der wahren Fundgrube, wenn es um Bräuche und Brauchtum geht, Köberl, dem Lehrer und Verfasser des Standardwerkes übers Ausseer Land. Glück im Pech.

Endlich schaffen es Daniel und Sabine für längere Zeit zusammen an einem Ort zu bleiben, nicht wie sonst durch hunderte Kilometer und halb Europa voneinander getrennt. Daniel recheriert und schreibt, Sabine fotografiert, das Buch soll in gemeinsamer Arbeit entstehen.

Zu Beginn tun sich alle etwas schwer: die Geschichte damit, in Fahrt zu kommen. Die Menschen in der Geschichte damit, originelle Dialoge zustande zu bringen. Die Handlung damit, plausibel zu bleiben. Die Geschichte tröpfelt und die Dialoge quälen sich ein wenig dahin – das muss wohl am Winter liegen, der einfach schon zu lange dauert.

Nach etwa einem Drittel der rund 260 Seiten stellt sich zumindest im Ansatz wieder dieses wohlige, lieb gewonnene Lesegefühl ein, das schon die ersten beiden Bücher mit Daniel Käfer so lesenwert machte. Aber eben nur im Ansatz, denn ich hatte den Eindruck, dass es einfach an Handlung und Inhalten fehlt. Schön ist aber, dass man dann auch wieder einiges über das Ausseer Land erfährt, Geschichten und Brauchtum, aber so richtig Athmosphäre kommt dabei nicht auf.

Daniel stößt unversehens auf ein solches Geheimnis, das Köberl, seine Frau und seine Tochter umgibt. Ein Faschingsgstanzl, böse, anscheinend von jemandem verfasst, der das Geheimnis der Familie kennt, bringt Käfer auf eine Spur, auf der sich Familienverstrickungen, unrechtmäßige Erbstücke finden.

Am Ende haben sich meine hohen Erwartungen leider nicht erfüllt. Alles wirkt zu sehr bemüht, fast gezwungen, alle und alles springen ein planlos herum und zwischen Menschen und Ereignissen ergibt sich keine wirkliche Verbindung.


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