Buchbesprechung/Rezension:

Øystein Morten: Erik der Rote
Der Entdecker Amerikas

Erik der Rote
verfasst am 27.05.2024 | einen Kommentar hinterlassen

Autorin/Autor: Morten, Øystein
Genre: Geschichte
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Unterwegs, auf den verblassten Spuren von Ereignissen, die mehr als tausend Jahre zurückliegen.

Das wäre ein passender, weiterer Untertitel zu diesem Buch, denn der Historiker Øystein Morten begibt sich im Buch auf eine Reise, die ihn von Norwegen mit der Fähre nach Island führt. Auf einer Fähre, damit er und sein elfjähriger Sohn Sigurd, der begeistert und interessiert mitfährt, mit dem eigenen Auto direkt alle die Orte aufsuchen können, an denen sich Spuren dieser alten Landnahme finden lassen.

Kein einfaches Unterfangen, denn es sind nur noch einzelne Ruinen, kleine Hinterlassenschaften und spärliche schriftliche Aufzeichnungen zu finden, aus denen es gilt, den Weg der wirklich ersten Entdeckung Amerikas durch Europäer nachzuzeichnen.

Vater und Sohn Morten sind auf dem Weg in ein großes Abenteuer, ein bisschen in der Art von Thorvald Asvaldssohn und seinem Sohn Erik der Rote, die irgendwann rund um die 60er-Jahre des 10. Jahrhunderts vorangegangen waren. Genau so ist das Buch geschrieben, nämlich wie eine Abenteuergeschichte, in der die beiden Mortens die Leserinnen und Leser im Schlepptau haben.

Manchmal aber drängt die Erzählung über Mortens Arbeit und Reise das historische Thema zu sehr in den Hintergrund. Dann überlese ich allzu leicht die im Erkundungsbericht eingestreuten Informationen über das, was vor einem Jahrtausend geschehen ist.

Oft findet sich im Text der Konjunktiv: Der füllt die Lücken, die wegen der dürftigen Daten aus Originalquellen zwangsläufig entstehen. Mit „hätte“, „würde”, „könnte“ oder “sollte” ergänzt Øystein Morten die Fakten mit Wahrscheinlichkeiten und Annahmen und dem Wissen, das man ganz allgemein über die Zeit hat. Um eine mehr oder weniger chronologische Darstellung des Geschehens zu erreichen, sind wohl viele solcher Annahmen erforderlich. Viel mehr, als man beispielsweise für die weitaus detaillierter rekonstruierbare Geschichte Mittel- und Südeuropas benötigt, mit ihren unzähligen schriftlichen, archäologischen, bildhaften und architektonischen Hinterlassenschaften. Das meiste davon wird man im Norden, auf der Suche nach den Spuren der Wikinger nicht finden.

Das Thema selbst finde ich ungemein spannend und interessant. Wie und warum Menschen überhaupt in derart karge Landschaften aufbrachen und dort Enklaven der Zivilisation entstanden. Wie anders die Lebensweise gewesen sein musste, als wir es uns vorstellen können.

Es ist interessant und spannend nachzulesen, wie aus Informations-Bruchstücken am Ende dann ein doch sehr schlüssiges Bild entstehen kann, wenn auch viel Spekulation dabei mithelfen muss.

An der ungeteilten Freude an diesem Buch hindert mich die Erzählweise, die mit zu viel persönlichen Details über den Autor, seinen Sohn und die Expeditionen das Lesen abschnittsweise etwas mühevoll macht. Denn, ehrlich gesagt, ist mein Interesse daran, wie lange und wo Øystein Morten die Nächte verbracht oder wo er getankt hat (zwei von sehr vielen nachzulesenden Reisedetails) recht gering und im Laufe des Buches weiter abnehmend.

Dabei gibt es so viel über bislang wenig Bekanntes über Island, Grönland und die Menschen damals und ihre Nachfahren heute zu berichten, dass es dieser „Pausenfüller“  gar nicht bedurft hätte.




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