Buchbesprechung/Rezension:

Bernhard Weissbecker: Die Vermessung des Meeres, der Erde und des Himmels

Die Vermessung des Meeres, der Erde und des Himmels
verfasst am 21.12.2023 | 1 Kommentar

AutorIn & Genre: Biographien, Weissbecker, Bernhard
Buchbesprechung verfasst von:
LiteraturBlog Bewertung:

Meer und Erd ‘ und den grenzenlosen Himmel hast du, Mayer, gemessen“ – mit diesen Worten, die an Verse des Römischen Dichters Horaz angelehnt sind, beginnt der Mathematiker Abraham Gotthelf Kästner (1719-1800) die Gedenkrede auf seinen verstorbenen Kollegen Tobias Mayer (1723–1762).

Viel von uns werden nun sagen Tobias Mayer? Noch nie gehört.

Doch dieser Mann, der 2023 seinen 300. Geburtstag feiert, ist eine höchst interessante Persönlichkeit: Geboren am 17.02.1723, wächst er nach dem Tod des Vaters im Esslinger Waisenhaus auf und interessiert sich schon als Kind für Mathematik. Mit 16 Jahren fertigt er den ersten kartografisch exakten Stadtplan von Esslingen an, mit 18 Jahren veröffentlicht er sein erstes (Mathematik)Buch. Vier Jahre später folgt sein „mathematischer Atlas“. Danach beruft man ihn an als Kartograf an die Nürnberger Universität. 1751 wird er Ordinarius für Ökonomie und Mathematik in Göttingen, ohne jemals selbst an einer Universität studiert zu haben.

Eine gewaltige Leistung für ein ehemaliges Waisenkind und Autodidakten!

Tobias Mayer hat großen Anteil am Wettstreit um die Bestimmung des Längengrades, den das „Britisch Board of Longitude“ ausgeschrieben hatte. Ein Teil des Preises wird ihm zuerkannt. Allein seine Witwe muss mehr als drei Jahre um die Auszahlung des Preisgeldes kämpfen. Seine Verdienste um die Geografische Länge macht die Seefahrt deswegen sicherer, da er den Mond und von ihm erstellte Mondtabellen zur Positionsbestimmung heranzieht.

Weitere Berühmtheit im wissenschaftlichen Umfeld erlangt Tobias Mayer durch die exakte Vermessung des Mondes, die später die Grundlagen für einen Mondglobus dienen werden. Bekannt ist auch sein Fixsternkatalog mit 998 Sternen.

Tobias Mayer stirbt mit knapp 39 Jahren 1762 an Typhus.

Meine Meinung:

Autor, Physiker, Agrarwissenschaftler und Förster Bernhard Weißbecker enthüllt hier die Biografie eines Mannes, der nur in den Fachgremien der Vermessungskundler, Kartografen, Astronomen und den Mathematikern bekannt sein dürfte. Selbst mir, die sich beruflich mit Vermessungskunde und Kartografie beschäftigt, war Tobias Mayer nicht geläufig.

Wie Weißbecker erklärt, ist er bei seinen Recherchen zu seinem SF-Roman „Die dunkle Seite des Mondes“ über die bewegende Lebensgeschichte jenes Mannes, der in einem Waisenhaus aufwuchs und als Autodidakt zu einem der berühmtesten Gelehrten seiner Zeit wurde, gestolpert. Bernhard Weißbecker gewährt dem Gelehrten einen Kurzauftritt in seinem SF-Roman.

Anschließend beschießt Weißbecker diese Biografie, über einen Mann, der ein bedeutendes Kapitel der Wissenschaftsgeschichte des 18. Jahrhunderts aufgeschlagen hat, zu schreiben, um „sein Leben und seine wissenschaftlichen Errungenschaften in einer kompakten und allgemein verständlichen Form darzustellen“.

Wer Interesse an weiteren Informationen über Tobias Mayer hat, dem sei das Tobias-Mayer-Museum in Marbach am Neckar empfohlen. (https://tobias-mayer-museum.de/)

Fazit:

Eine schier unglaubliche Geschichte eines Mannes, der vom Waisenkind und Autodidakten zum Ordinarius aufstieg, dessen Werk wir heute alle nutzen, der aber nur mehr einem kleinen Kreis von Wissenschaftlern bekannt ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.




RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag 1 Kommentar


  • Kommentar von  oceanloveR am 13.01.2024 um 15:54 Uhr

    Ahoi Gertie,

    bei dem Titel dachte ich erst, ich hätte das Buch auch gelesen – tatsächlich habe ich aber letztes Jahr “Tobias Mayer oder die Vermessung der Erde, des Meeres und des Himmels” von Thomas Knubben gelesen; vom Titel und Inhalt ähnlich, aber doch anders :D Danke auf jeden Fall für diese Vorstellung, sehr interessant.

    Liebe Grüße
    Ronja von oceanloveR


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