Michael Lichtwarck-Aschoff: Der Sohn des Sauschneiders
oder ob der Mensch verbesserlich ist

Dieses Buch und ich: wir werden keine engen Freunde werden. Das liegt am Schreibstil, der sich mir als viel zu sperrig und verwinkelt zeigt. Die von Michael Lichtwarck-Aschoff gewählten Verschachtelungen und Formulierungen machen es mir schwer, daran Gefallen zu finden; ich unternehme trotzdem den Versuch, mich dem Buch möglichst unvoreingenommen zu nähern.

Es ist der Beginn des 20. Jahrhunderts. Aus dem Vivarium im Prater in Wien, das ursprünglich als Schau-Aquarium gegründet worden war, ging im Jahr 1903 ein Forschungsinstitut hervor, in dem man sich unter anderem mit experimenteller Biologie, darunter der Frage nach der Vererbung von Eigenschaften, befasste. Es war die Zeit, als die Erkenntnisse aus der Evolutionstheorie von Charles Darwin noch lange nicht mit ausreichend Forschungsergebnissen untermauert war und als die Wissenschaft von Evolution und Genetik noch in den Kinderschuhen steckte.

Im Prater experimentierte man in der „Biologischen Versuchsanstalt“ (wie das Institut nunmehr genannt wurde) und namentlich der Biologe Paul Kammerer sorgte damals mit einigen Erkenntnissen für Aufsehen.

In diesem Rahmen ist die Handlung angesiedelt. Franz Megusar, der Sohn des Sauschneiders, ist ein junger Mann vom Land aus der Region Krain (Südsteiermark), der durch Zufall die Bekanntschaft Kammerers macht und von diesem eingeladen wird, an der Biologischen Versuchsanstalt in Wien zu arbeiten. Megusar wird Kammerers Assistent; sein Leben endet im Jahr 1916 an der Front im Osten.

Soweit die historischen Fakten, die zum Ausgangspunkt und Leitfaden für diesen Roman wurden – die Lebensgeschichte von Franz Megusar wird von dessen engstem Freund erzählt.

Mein Problem mit den Stil, mit den ausschweifenden Sätzen und den oftmals rechts ungewohnten Formulierungen entspringt natürlich einem sehr subjektiven Eindruck. Jedenfalls muss ich gestehen, dass mein Versuch, dieses Buch vollständig zu lesen, gescheitert ist. Im letzten Drittel schaffte ich es nur mehr, quer über die Seiten zu lesen, im Bemühen, möglichst bald zum Ende zu kommen.

Was ich aber trotzdem ungemein interessant und informativ finde, das sind die Einblicke in die Verstandeswelt, den Wissensstand und den Geisteshorizont der durchschnittlichen Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es ist nur etwas mehr als 100 Jahre her, aber damals herrschte noch ein gehöriges Maß an Aber- und Wunderglauben (mehr auf dem Land als in den Städten), das Wissen über die Natur und die Wissenschaften im Allgemeinen war bestensfalls rudimentär und Forschungsarbeit nach unserem heutigen Verständnis existierte höchstens in Ansätzen. Das alles liegt aber sicher zum Teil auch darin begründet, dass man damals als „Normalbürger“ weitaus mehr Energie für das reine Überleben aufwenden musste als heute und wenig Zeit und Muße blieben, sich den nicht direkt lebenswichtigen Dingen zu widmen.

Michael Lichtwarck-Aschoff hat dieses Buch, das stellte sich heraus, für Leserinnen und Leser mit anderen literarischen Ansprüchen, als ich sie habe, geschrieben.

Wer jedoch Bücher (auch) gerne liest, um sich in verschwungenen Satzbauten zu verlieren, wird sich hier bestens aufgehoben fühlen.



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