Buchbesprechung/Rezension:

Stefan Zweig: Der Amokläufer

verfasst am 11.05.2022 | 1 Kommentar

AutorIn & Genre: Erzählungen, Zweig, Stefan
Buchbesprechung verfasst von :
LiteraturBlog Bewertung:

Es ist wirklich bemerkenswert, wie präzise Stefan Zweig den Weg eines Menschen vom durchschnittlichen Mitbürger zum irregeleiteten, eben zum Amokläufer beschreibt.

Ist es die literarische Spannung oder das Wissen um die Psychologie dahinter, aus dem ein derart überzeugendes Porträt entsteht? Zweig erzählt die Geschichte des Arztes, der viele Jahre lang auf seiner einsamen Station im Dschungel Südostasiens verbringt. Er hält die Stellung, unterhält keinen Kontakt mit anderen Menschen von außerhalb, zieht sich unter diesen Umständen immer weiter in sein Inneres zurück. Das Wissen um zwischenmenschliche Beziehungen scheint schrittweise aus ihm zu verschwinden.

Als eine Frau auftaucht, die eine nicht alltägliche Forderung an ihn richtet, lässt ihn das in einer Weise reagieren, die zeigt, wie er den Bezug zur Wirklichkeit schon verloren hat. Sein Handeln wird nicht von dem bestimmt, was tatsächlich vergeht, sondern von dem, was er sich einbildet.

Man liest also nichts weniger, als die uns allzu bekannte Geschichte der meisten dieser Terroristen, Fanatiker und wutgetriebenen Menschen, von denen es heute viel zu viele gibt; so wie sie auch schon vor einhundert Jahren und früher existierten.

Auf der Rückreise nach Europa erzählt der Arzt seine Lebensgeschichte einem zufälligen Bekannten, dem Ich-Erzähler dieser Novelle. Beide befinden sich an Bord des Dampfers „Oceania“ der in Neapel seinen ersten Stopp in Europa haben wird.

Der Arzt, abgeschottet von den übrigen Passagieren, ist während der letzten Tage der Reise für seinen Bekannten nicht mehr auffindbar. Doch er ist noch auf dem Schiff, er hat eine Mission, die er zu Ende bringen muss.

Tatsächlich ist diese Novelle ein regelrechter Thriller, voller Spannung vom Anfang bis zum Ende.




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  • Kommentar von  Britta am 21.05.2022 um 17:32 Uhr

    Stefan Zweig ist eben Stefan Zweig! Bisher fand ich noch keinen anderen Autor, der es so gut verstanden hat, die menschliche Seele zu offenbaren.


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