Buchbesprechung/Rezension:

Volker Kutscher: Moabit


verfasst am 23.12.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Kriminalromane, Kutscher, Volker
LiteraturBlog Bewertung:

Klein, aber sehr fein: es müssen nicht immer 100e Seiten sein, in diesem Fall reichen auch 88 Seiten, um eine spannende Geschichte zu erzählen.

Im Gefängnis gibt es einen Mordanschlag auf Adolf Winkler, den Boss des Ringvereins Berolina. Er überlebt, doch warum Anton Bruck, so der Name des Angreifers, überhaupt auf Winkler losgegangen ist, das ist völlig rätselhaft. Alles das passiert nur ein paar Tage vor Winklers Entlassung aus dem Gefängnis. Kaum in Freiheit übernimmt er umgehend wieder das Kommando der Berolina und macht allen klar, welchen Regel nun wieder gelten. Das bedeutet: zurück zu den alten Grundsätzen.

Erzähl wird das Geschehen aus der Sicht der Beteiligten: zuerst ist es Adolf Winkler, der schildert wie es zu dem Angriff kam und wie er seine letzten Tage in Gefängnis verbrachte. Der nächste ist Christian Ritter, der Aufseher, der Winkler vor dem Tod bewahrte, indem er beherzt eingriff. Er berichtet, wie es dazu kam, dass er zum Lebensretter des berüchtigten Gangsterbosses wurde. Ritter, selbst überaus korrekt und unbestechlich, wird gegenüber seinem Kollegen Kleinschmidt, der in auffälliger Weise am Ort des Anschlages eben nicht zugegen war, misstrauisch.

Zum Schluss kommt Ritters Tochter Charlotte zu Wort – ihr Weg, dann schon mit dem salopperen Vornamen Charly,  wird später den Weg den von Gereon Rath kreuzen und in der Beziehung der beiden wird sie ebenfalls eine sehr selbstbestimmte Rolle übernehmen; ganz untypisch für das Frauenbild der 1920er Jahre. Charlotte / Charlys Charakterstärke war aber schon immer eine ihrer wichtigsten Eigenschaften. Genau die braucht sie bei den folgenden Ereignissen.

Moabit ist nicht nur Krimi aus der Zeit vor den Gereon Rath-Romanen, sondern auch eine indirekte Einleitung zum siebenten Band „Marlow“. Auch wenn es ein dünnes Büchlein ist, so rechtfertigen die hochwertige Aufmachung und die Illustrationen den Preis wie für ein Buch im „Normalumfang“.

„Moabit“ ist der erste der Kurzgeschichten – mit heute gibt es nun schon drei davon – die rund um die großen Gereon Rath Romane viele Details und Hintergründe liefern, um dieses Universum, das Volker Kutscher erschaffen hat, zu füllen. Zudem gelingt es Kutscher auch auf wenigen Seiten, die Atmosphäre und das Lebensgefühl der Zeit zu fassen und in spannende Handlungen einzubauen.




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