Buchbesprechung/Rezension:

Akira Iriye, Jürgen Osterhammel, Hans-Joachim Gehrke (Hsg.): Geschichte der Welt - Die Welt vor 600


verfasst am 05.07.2021 von | einen Kommentar hinterlassen
Rubriken: Geschichte
LiteraturBlog Bewertung:

Es hört sich zunächst nach einem überschhubaren Thema an: die Welt bis zum Jahr 600. Doch darin enthalten ist natürlich auch die gesamte Urgeschichte der Menscheint und der Zivilisationen. Es sind also viele Jahrtausende, mit denen sich dieses Buch befasst.

Mehrere Autorinnen und Autoren haben sich jeweils eines Themenbereiches (bzw. Zeitraumes)  angenommen und dazu einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung erstellt.

  • Hermann Parzinger: Vor- und Frühgeschichte
  • Karen Radner: Die frühen Hochkulturen Ägyptens und Vorderasiens
  • Hans-Joachim Gehrke: Die Welt der klassischen Antike
  • Mark Edward Lewis: Das Alte China
  • Axel Michaels: Südasien und Südostasien

Aus dieser Liste sind man auch direkt, dass man aus der Zusammenfassung dieser Themen in einem Buch nicht direkt auf eine gleichwertige inhaltliche Kenntnis-Basis schließen kann. Wenngleich die Entwicklungen der Zivilisationen in den betrachteten geografischen Gebieten sehr wohl von einander abhängig sind, aufeinander aufbauen und sich sehr oft überschneiden, so ist es vor allem der Wissenstand, der die Kapitel voneinander unterscheidet.

Je weiter man in die Vergangenheit geht, desto diffuser wird die Quellenlage, desto mehr müssen Funde interpretiert werde. Gleichzeitig sind es gerade diese weiter zurückliegenden Zeitalter, zu die neue Funde immer neue Erkenntnisse liefern.

Das Buch muss somit auch als momentane Bestandsaufnahme des Wissens gelesen werden und nicht als unumstößliches Nachschlagewerk. Aber natürlich wird das Wissen konkreter, je weiter man sich der Gegenwart nähert; doch selbst über das überaus detailliert erforschte alte Rom bringt die Forschung immer wieder Neues ans Licht.

Unterschiedliche AutorInnen bedeutet auch unterschiedliche Aufbereitung der Inhalte. Ganz generell ist aber die wissenschaftliche Arbeit der Ausgangspunkt, womit sich das Buch weniger als Einstieg in Geschichtswissen anbietet, sondern eher für solche LeserInnen geeignet ist, die sich schon zuvor mit den enthaltenen Themenkreisen beschäftigt haben.

Es ist ein ungeheure Fülle an Informationen, die vermittelt wird; blättert man dann vor und zurück, um dieses nochmals nachzulesen oder korrespondierende Themen in einem anderen Kapitel zu finden, dass erfordert es viel Zeit, wenn man dieses Buch lesen möchte.

Diese Investition zahlt sich, jedenfalls für mich, unbedingt aus. Zusammenhänge werden deutlich, wo man bislang vielleicht keine sah, die Gegenüberstellung der Entwicklungen in verschiedenen Weltgegenden macht Geschichte wirklich spannend.

Als Gesamtwerk über den Zeitraum bis zum Jahr 600 n.Chr. kann man dieses Buch jedoch nicht sehen (insoferne ist auch der Titel irreführend). Denn alles, was sich außerhalb des fruchtbaren Halbmondes, des Mittelmeerraumes, Chinas, Indiens und Südostasiens befindet, wird höchstens in Nebensätzen gestreift und findet ansonsten nicht statt.

Ein genereller Schwachpunkt: es fehlen vielfach Übersichtskarten zur geografischen Einordnung und die vorhandene Karten sind äußerst mangelhaft beschriftet.




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